„Sektion: Schließung kein Thema“
Brunnenkopfhäuser: Gerüchteküche brodelt – Neuer Wirt gesucht
ein Bericht im Garmischer Tagblatt Nr. 229 vom 2./3. 10. 2004
von Ludwig Hutter

Forstamts-Vize Siegfried Thurn
Zwei Wochen früher als sonst, bereits am vergangenen Donnerstag, endete der diesjährige Hüttenbetrieb am Brunnenkopf. Forstamts-Vize, Siegfried Thurn (kl. Foto) bezeichnet Gerüchte um eine dauerhafte Schließung als „absoluten Schmarrn“ (Foto: Herold/hut)

Oberammergau – Es war in heimischen Bergsteiger-Kreisen zuletzt ein vieldiskutiertes und ergiebiges Thema: Was passiert mit den Brunnenkopfhäusern? Werden sie geschlossen? Zieht sich der Alpenverein als Pächter zurück? Betreibt sie künftig der Forst auf privater Basis? Gar Meldungen von einem „Abriss“; produzierte die Gerüchteküche. Nun: All diesen „Botschaften“ widersprechen Eigentümer und Pächter energisch: Der Hüttenbetrieb am Brunnenkopf laufe „ganz normal“ weiter.
Im Jahr 1856 ließ König Maximilian II. von Bayern eine Berghütte am Brunnenkopf (1718 m) errichten, und auch sein Sohn Ludwig II., der Märchenkönig, liebte diesen Ort vor allem wegen seiner Abgeschiedenheit. überliefert ist so folgendes Zitat Ludwigs: „Auf den Bergen ist Freiheit, und überall, wo der Mensch nicht hinkommt. Ich genieße noch ein paar Wochen lang die mir so wohlbekommende kalte Bergesluft vor der unseligen Einkerkerung im wenig geliebten München...
1922 übernahm die Sektion Bergland des Deutschen Alpenvereins die Brunnenkopfhäuser, die mitsamt Grund Eigentum der Staatsforstverwaltung sind.
Nachdem nun in den letzten Wochen und Monaten in der öffentlichkeit durchsickerte, dass der Fünf-Jahres-Vertrag der Sektion mit dem Hüttenwirt Franz Mamhofer (46) ausläuft und eine Verlängerung dieses Pachtverhältnisses offenbar nicht im Raum stand, kursierten zunehmend Meldungen, dass der Fortbestand des Hüttenbetriebs nicht gewährleistet sei. Auch vor dem Hintergrund, dass auf der Hütte die Abwassersituation, die Energieversorgung (kein Strom) sowie die sanitären Verhältnisse (wenig, Wasser) aufgrund behördlicher Auflagen dringend überdacht und neugeregelt werden müssen. Dazu ließ nun die DAV-Sektion Bergland (600 Mitglieder):ein Gesamtkonzept für die Sanierung erstellen, das in mehrere Bauabschnitte untergliedert ist. 150 000 Euro will (muss) man in eine neue Anlagentechnik investieren, wie Brunnenkopf-Hüttenreferent Dr. Axel Zwicker gestern erklärte. Los gehen soll es mit den Arbeiten bereits im kommenden Frühjahr.

Weiter einfache Hütte ohne viel Rummel

Klare Worte findet der DAV Vertreter auch hinsichtlich des künftigen Hüttenbetriebs: „Wir wollen und werden die Hütte weiter verpachten, und sind derzeit auf der Suche nach einem neuen Wirt.“ Warum der Vertrag mit dem bisherigen Hüttenwirt nicht verlängert wurde, begründet Dr. Zwicker damit, „dass es am Brunnenkopf zuletzt nicht mehr so gelaufen ist, wie wir uns das vorgestellt haben.“
Zwei Wochen früher als sonst, bereits am letzten Donnerstag, wurde der Betrieb eingestellt. Zwicker: „Wir werden ganz normal im Mai nächsten Jahres mit einem neuen Wirt wieder weitermachen.“
So wünscht man es sich auch von Seiten des Forstamtes Oberammergau. Vize Siegfried Thurn: „Uns ist der Alpenverein als Pächter absolut recht. Wir sind seit längerem miteinander im Gespräch, und uns grundsätzlich einig über einen neuen langfristigen Pachtvertrag. Obwohl noch nichts unterschrieben ist.“ Einverständnis bestehe auch über die Art des Hüttenbetriebs. Thurn: „Die Brunnenkopfhäuser stehen unter Denkmalschutz. Es ist ein königliches Erbe, das wollen wir so erhalten, und deswegen soll der Brunnenkopf eine einfache Hütte ohne Rummel bleiben.“ Hüttenreferent Dr. Zwicker: „Da steckt soviel Tradition drin.“ Der König, er hätte es wohl auch so gewollt.

 

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