Dem Toten Ehre, dem Lebend´gen Liebe!
Ferdinand Fränkel (1864)

Die Orgel schweigt; das Totenamt ist aus;
Die Lichter um den Katafalk erblassen,
Und tiefe Stille kehrt ins´s Gotteshaus,
Wo schmerzlicher Betrachtung überlassen,
Das Volk, umschauert von des Fürsten Grab,
Wo seines Königs Schatten stieg hinab.

Du aber, Erbe Seiner Königs-Krone,
Laß künden Dir, was uns so tief bewegt;
Laß dringen es zu Deinem hohen Throne,
Was sich in Deines Volkes Herzen regt.
Wie Ihm, wird seine Liebe Dir zum Lohne,
Die treu im Herzen aller Bayern schlägt.
Verschmäh´ gleich Ihm des Volkes Stimme nicht,
Die wahr und offen wie zu Ihm einst spricht.

Ein Jüngling – reich an ritterlichem Feuer –
Gerüstet mit der Ahnen hohem Geist,
Birgst du ein Herz, dem Alles werth und theuer,
Was wahrhaft edel und erhaben heißt:
Ein Deutscher – ein bied´rer, ächter Bayer –
Von einem treuen Volke stolz umkreist,
Besteigt als König Du den Thron der Schyren,
Berufen ihn, der Ahnen gleich zu zieren!


Quelle: Hollweck, Ludwig: Er war ein König - Ludwig II. von Bayern. München, 1979

 

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