Unsterblicher König
Robert Dörflinger (1954)

Du wandelst durch der Schlösser stille Räume,
Wenn nachts das Sternenheer am Himmel steht,
Und träumst unsterblich schöne Träume;
Doch ist von Einsamkeit dein Geist umweht.

Dich grüßen mondbeglänzt die Bilder alle
Nachlauschend lang verklungnem Ruf,
Der Estrich tönt in leisem Widerhalle
Vom Schritt des Königs, der dies alles schuf.
Die Pöllath rauscht, in Linderhof wohnt Frieden,
Um Herrenchiemsee lispelt leis die Flut,
Er aber sucht allnächtlich ohn´ Ermüden
Vergangnes Glück, wie es die Sehnsucht tut;

Dann sitzt im Schlitten er und in die Lande
– Die einst sein eigen – jagt er stumm hinaus,
Und unerkannt in ärmlichem Gewande
Tritt er als später Gast in manches Haus.

Da lauscht er still, wie Holzknecht, Jäger, Bauer
Vom Märchenkönig leise Kunde gibt,
Es schwingt in jedem Wort geheime Trauer,
Der König spürt, wie ihn sein Volk noch liebt,

Und während nun die trutzigen Gesellen
Von Ludwigs Tode sprechen voller Weh –
Da rauschen her die aufgeregten Wellen
Und ziehn den König wieder in den See ...


Quelle: Hollweck, Ludwig: Er war ein König - Ludwig II. von Bayern. München, 1979

 

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