Geburt des Schwans
Robert Dörflinger (o.J.)

Eben war, von Zeus erkoren,
Venus, holdeste der Fraun,
Aus dem Schaum der Flut geboren,
Lustverheißend anzuschaun, -

Sieh, da haben andre Wogen
Sich voll Bitterkeit beschwert:
"Da du jene vorgezogen,
Sind wir solcher Gunst nicht wert?"

Und die schäumenden Gesellen
Schaut der Göttervater an,
Aus dem Schaume ihrer Wellen
Sahn sie werden einen Schwan.

Seitdem ist der Schwan der Wogen
Und der Fluten liebstes Kind,
Würdevoll einhergezogen
Kommt er auf den Wellen lind,

Weiß wie Schaum ist sein Gefieder,
Königlich die Haltung sein,
Durch des Sees Rosen zieht er,
Die wie er so makelrein;

Wie sie schmeichelnd ihn umwerben,
Ihn, der herrlich rudernd zieht!
Muß der Schaumgeborne sterben,
Singt er noch sein Schwanenlied,

Und die Wellen raunen leise
Was er sang und rang und litt,
Geben ihm auf ferne Reise
Letztes Schaumgekräusel mit ...


Quelle: Dörflinger, Robert: Ein Königstraum Ludwig II., München, 1954

 

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