An meinen König
Richard Wagner an Ludwig II. (16. September 1864)

O König! holder Schirmherr meines Lebens!
Du höchster Güte wonnereicher Hort!
Wie ring´ ich nun, am Ziele meines Strebens,
nach jenem Deiner Huld gerechten Wort!
In Sprach und Schrift wie such´ ich es vergebens,
und doch zu forschen treibt mich´s fort und fort,
das Wort zu finden, das den Sinn Dir sage
des Dankes, den ich Dir im Herzen trage!

Was Du mir bist, kann staunend ich nur fassen,
wenn mir sich zeigt, was ohne Dich ich war.
Mir schien kein Stern, den ich nicht sah erblassen,
kein letztes Hoffen, dessen ich nicht bar:
auf gutes Glück der Weltgunst überlassen,
dem wüsten Spiel auf Vorteil und Gefahr,
was in mir rang nach freien Künstlertaten,
sah der Gemeinheit Lose sich verraten.

Der einst mit frischem Grün sich hieß belauben
den dürren Stab in seines Priesters Hand,
ließ er mich jeden Heiles Hoffnung rauben,
da auch des letzten Trostes Täuschung schwand,
im Innern stärkt´ er mir den einen Glauben,
den an mich selbst ich in mir selber fand:
und wahrt´ ich diesem Glauben meine Treue,
nun schmückt´ er mir den dürren Stab auf´s neue.

Was einsam schweigend ich im Innren hegte,
das lebte noch in eines andren Brust:
was schmerzlich tief des Mannes Geist erregte,
erfüllt´ ein Jünglingsherz mit heil´ger Lust;
was dies mit Lenzes-Sehnsucht hin bewegte
zum gleichen Ziel bewußtvoll unbewußt,
wie Frühlingswonne mußt´ es sich ergießen,
dem Doppelglauben frisches Grün entsprießen.

Du bist der holde Lenz, der neu mich schmückte,
der mir verjüngt der Zweig´ und Äste Saft:
es war Dein Ruf, der mich der Nacht entrückte,
wie winterlich erstarrt hielt meine Kraft.
Wie mich Dein hehrer Segensgruß entzückte,
der wonnestürmisch mich dem Leid entrafft,
so wandl´ ich stolz beglückt nun neue Pfade
im sommerlichen Königreich der Gnade.

Wie könnte nun ein Wort den Sinn Dir zeigen,
der das, was Du mir bist, wohl in sich faßt?
Nenn´ ich kaum, was ich bin, mein dürftig Eigen,
bist, König, Du noch Alles, was Du hast:
so meiner Werke, meiner Taten Reigen,
er ruht in Dir zu hold beglückter Rast;
und hast Du mir die Sorge ganz entnommen,
bin hold ich um mein Hoffen auch gekommen.

So bin ich arm und nähre nur das eine,
den Glauben, dem der Deine sich vermählt:
er ist die Macht, durch die ich stolz erscheine,
er ist´s, der heilig meine Liebe stählt:
doch nun geheilt, nur halb noch ist er meine,
und ganz verloren mir, wenn Dir er fehlt.
So gibst nur Du die Kraft mir, Dir zu danken,
durch königlichen Glauben ohne Wanken!


Quelle: Girrbach, Wilhelm: Das Buch Ludwig. München, 1986
 

 Ludwig II.-Forschung
 Aktuelle Beiträge von
 Peter Gloswasz
 mehr
 

 
 

 L-II.-Aufenthaltsorte
 - Brunnenkopfhaus
 - Hochkopfhütte
 - Hundinghütte
 - Plansee
 - Roseninsel
 - Soiernhäuser
 - alle Orte

 
 
 

© 2004 by König-Ludwig-Zwei.com | Alle Rechte vorbehalten! | Kontakt & Impressum | nach oben