Herrenchiemsee
Robert Dörflinger (o.J.)

Du hebst dich wie ein Märchen aus den Fluten
Des Sees und grüßest den Beschauer,
Und um dich her wie eine grüne Mauer
Recht steil der Wald sich in die Abendgluten;

Es flirrt in tausend Scheiben wie ein Schauer
Der Sonne Glanz, sie scheint sich zu verbluten,
Die letzten Strahlen, die noch zärtlich ruhten
Im goldnen Innern, starben wie in Trauer;

Sie sahen einst den König träumend stehen
Wie mit dem Abendstern er Zwiesprach tauschte, –
Ob er geahnt sein baldiges Vergehen?

Und während ihn Unendlichkeit umrauschte,
Die Sphärenharmonien der Himmelshöhen,
Stand er allein – nur seine Seele lauschte.


Quelle: Dörflinger, Robert: Ein Königstraum Ludwig II., München, 1954

 

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