Was will der unglückliche König uns sagen?
Robert Dörflinger (o.J.)

Der Berg, mein Freund

Wie oft hat eines Menschen Brust
Sich kalt und fühllos mir erwiesen,
Und Worte sind mir viel bewußt,
Die gegen Lieb und Treu verstießen;

Denn Arglist birgt des Menschen Herz,
Wem magst du ganz dich anvertrauen
In Freude, Sehnsucht, Lust und Schmerz? –
Kaum kannst aufs eigne Herz du bauen!

Drum seid umarmt, ihr Berge kühn,
Ihr könnt nicht Ärgernis bereiten!
Seid Gleichnis, was ich selber bin:
Seid Hüter großer Einsamkeiten!

Ihr ragt so königlich wie ich,
Sollt eines Königs Herzschlag hüten,
An euren Brüsten berg ich mich,
Bei euch ist Ruhe, Treu und Frieden!


Quelle: Dörflinger, Robert: Ein Königstraum Ludwig II., München, 1954

 

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