Ein Zeitgenosse König Ludwigs II.:

Conrad  Ferdinand  Meyer

von Erika Brunner

Die Ludwig-Forscherin Erika Brunner sucht derzeit die Spuren genialer Zeitgenossen König Ludwigs II., die ein ähnliches Schicksal erlitten; in diesem Beitrag beschäftigt sie sich mit dem Dichter C. F. Meyer, dessen erschütternde Biographie Ähnlichkeiten mit König Ludwig II. aufweisen.


Das tragische Schicksal des bayerischen Königs Ludwig II. schärft das Verständnis für den Konflikt seines konfliktreichen Jahrhunderts zwischen dem genialen Einzelnen und einer selbstgerechten bürgerlichen Gesellschaft.

Das Los, in psychiatrischer Verwahrung zu enden, teilte Bayerns König mit Komponisten, Dichtern und Philosophen.

Wo es zur Versöhnung zwischen Kunst und Bürgertum kam – sehr deutlich etwa bei Theodor Storm – ein Beruf mit durchschnittlichem Engagement ausgeübt und eine Familie gegründet wurde, konnte die Kreativität erforderliche seelische Ausgeglichenheit nur erreicht werden, indem der Hauptteil der Lebenslast auf Ehefrauen abgewälzt wurde, die als Hausfrauen, Mütter und Gastgeberinnen so perfekt zu funktionieren hatten, dass niemand auch nur die Mühe bemerkte.

Zu seinen Lebzeiten fand er keine Definition, die als Lebensinhalt noch Gültigkeit beanspruchen durfte. Wäre jedoch der französische Absolutismus, dem er huldigte, die endgültige Antwort auf seine Frage gewesen, so hätte er nach Schloss Herrenchiemsee kein einziges Schloss mehr bauen müssen.

Die Angepassten unter den künstlerischen Menschen litten weniger als die Unangepassten, ließen aber andere leiden: erschöpfte Gattinnen und freiheitsdurstige Söhne, die in die bürgerliche Schablone gepresst wurden (Storms Lieblingssohn endete als Alkoholiker).

Erstaunlich sind Parallelen, aber auch Unterschiede im Leben Ludwigs II. und des Dichters C. F. Meyer. Welche Gemeinsamkeiten!

Gestörte Mutter/Sohn-Beziehung, Konflikt zwischen vorbestimmtem Beruf und Berufung, höchste Sensibilität, künstlerische Träume und Begabung, Verhinderung eines normalen Individuationsprozesses durch zu früh auferlegte Verantwortung, Psychose in der engsten Familie, wenig Interesse an Frauen, Liebe zur Einsamkeit und zum Hochgebirge, kreative Rastlosigkeit – und ein Lebensende unter psychiatrischer Aufsicht.

Und doch zwei gegensätzliche Persönlichkeitsentwicklungen: weil Conrad Ferdinand Meyers Schicksal erst durch den Kontrast erkennen lässt, wie stark der angeblich so lebensschwache, »gestörte« Bayernkönig im Vergleich mit Meyer war, sei dessen Leben hier skizziert.

Staat und Öffentlichkeit (über)forderten den jungen Ludwig mit der Erwartung: Pflichttreue in Regierung und Repräsentation bis zur Selbstaufgabe, Familiengründung zur Sicherung der Thronfolge. In der bürgerlichen Gesellschaft war es nicht anders: »Liebe und arbeite!« verlangt Freud, d.h. »übe einen Beruf aus und gründe eine Familie!« Wer diese Anforderunen nicht erfüllt, ist – überspitzt gesagt - »Patient«.

Anstelle der Öffentlichkeit forderte Meyers neurotische Mutter die für Freud ein Musterfall gewesen wäre, von dem Adoleszenten Nützlichkeit und Selbstlosigkeit. Der Fünfzehnjährige sollte nach dem Tod des Vaters dessen Rolle in der Familie anstreben, wurde mitten in der Pubertät zur Verantwortung gezogen und verlor wie Ludwig seine Jugend.

An dessen natürlicher Zurückgezogenheit und dem In-Sich-Versunken-Sein in der Pubertätsphase mäkelte Döllinger herum, an der Conrads die Mutter.

Die überzarte sensible Frau war unheilvoll geprägt von einem pietistisch-calvinistischen Protestantismus, an dessen gnadenloser »Spiritualität von oben« (A. Grün) sie zerbrechen sollte. Sie forderte von sich und den Kindern, denen sie nie Zärtlichkeit erwies, außer Pflichttreue und Selbstlosigkeit auch noch Demut und Überfrömmigkeit. Der Sohn ertrug den Druck nicht mehr.

Mit etwa 20 Jahren fällten Ludwig II. und C. F. Meyer im Widerstreit mütterlichen und gesellschaftlichen Zwangs und eigener Berufung eine für sie untypische und für ihr weiteres Leben verhängnisvolle Entscheidung: Ludwig entlässt Wagner und beugt sich den Autoritäten, Meyer leistet zum erstenmal – und fast letztmalig – Widerstand und bricht das ungeliebte Jurastudium ab, zu dem er sich nicht berufen weiß. Für beide beginnt eine Jugend und Leben überschattende Leidenszeit: Ludwig bereut seine Entscheidung und sagt seiner Umgebung den Kampf an, als er ausgerechnet bei Kriegsausbruch zu Wagner in die Schweiz fährt, Meyer ist der »arme Conrad«, Kummer seiner Mutter und Objekt der Züricher Entrüstung – beide: ungeratene Söhne, Versager, abgestempelt, Gegenstand des öffentlichen Klatsches, und bleiben zeitlebens überempfindlich gegen Kritik.

Nun aber verläuft die Entwicklung der beiden jungen Menschen »spiegelverkehrt« wie ein Schwarz/Weiß-Negativ: Ludwig »steigt aus« aus der Gesellschaft und erobert seine Freiheit als Retter Wagners, Theaterkönig und Bauherr – und verfällt letztlich der Rache der brüskierten Gesellschaft, für die »Verrücktheit« die einzige plausible Entschuldigung für Selbstverwirklichung ist.

Meyer opfert das Ich der Umwelt, passt sich an, unterwirft sich und fällt eben dadurch auch in die Hände des Irrenarztes. Zwar nimmt er das Studium nicht wieder auf und lebt als Autodidakt im Elternhaus, aber zu dichten wagt er nicht. In dem Alter, als Ludwig Krieg und Reichsgründung hinter sich hat, sich im Kulturkampf engagiert, Neuschwanstein sich im Bau befindet und die übrige Bauplanung samt nie ausgeführten Objekten feststeht – die Finanzierung ist das einzige Problem – und er die Wunden der Jugend mit »wachsendem Königsgefühl« kompensiert, ist Conrad nichts als der untätige Sohn einer ewig nörgelnden Mutter, der kein Eigenleben zu entfalten wagt. Er erträgt nicht mehr de ihm von Mutter und Stadt bezeigte Verachtung, seine Selbstzweifel, noch viel schlimmer als die Ludwigs bei Vanderpoole, führen zu mindestens einem Selbstmordversuch (d.h. zu Gedankenspielereien und Signalen; auch Ludwig ziehen die »dunklen Fluten des Alpsees« ja einmal »an«, ohne dass man von einem echten Selbstmordversuch sprechen könnte.)

Frau Meyer aber versetzten solche Signale in Panik. Und für ihre calvinistische Seele ist der Fall erschreckend klar: der Sohn ist von Gott verworfen, trotz ihrer Gebete und Ermahnungen im Sinne ihrer Prädestinationslehre zur Hölle verdammt, denn er hat es weder zu einem Beruf noch zu einer Frau gebracht mit seinen 27 Jahren, und wer hier erfolglos ist, ist es nach puritanischer Auffassung auch im Jenseits, Gottes Gnade zeigt hier und jetzt an, wer zu den Auserwählten zählt und wer nicht.

Conrad geht willig in die Irrenanstalt, er droht nicht, die Psychiater einzusperren und zu misshandeln, Widerstand kann er weder der Mutter noch der geliebten Schwester der einzigen, von der er sich so verstanden fühlt wie Ludwig von Wagner, entgegenzusetzen. Natürlich haben die Frauen nicht unberechtigte Angst vor Selbstmord, aber unbewusst ist Conrads »Wahnsinn« für Frau Meyer auch eine Entlastung: gegen ererbten Irrsinn ist auch die beste Mutter machtlos, sie muss sich keine Erziehungsfehler vorwerfen – der Irrsinn erfüllt ebenso Alibifunktion wie im Fall Ludwig, der »arme Kranke« trägt ja keine Verantwortung, und man selbst auch nicht: Wahnsinn ist ererbt, nie gemacht … sie ergeht sich nur in dunklen Anspielungen auf die »unglückliche Situation« vor seiner Geburt, die sie als Erklärung sucht – vermutlich hat sie die sexuelle Komponente der Ehe nie verkraftet, und die Gemütskrankheit reicht zurück bis in die Hochzeitsnacht …

Der Psychiater vertraut der Diagnose der Mutter so unbesehen wie Gudden den Ministern. Dass Frau Meyer schwerstneurotisch ist und ihre Verdrängungen auf den Sohn projiziert, entgeht dem Herrn Psychiater. Aber anders als Gudden bildet er sich während der Behandlung ein eigenes Urteil und setzt gegen den Widerstand der Mutter, die ihre selbstauferlegte Verantwortung für den fast Dreißigjährigen auf die Psychiatrie abwälzen will, die Entlassung aus der Anstalt nach fünf Monaten durch.

Nur eines ist damit gewonnen: Conrad will endlich eine Ausbildung beginnen. Der Arzt ist menschlich genug, ihn resozialisieren zu wollen und klug genug, zur Trennung von der Mutter und Ortswechsel zu raten. Aber er ist ihr Glaubensgenosse, und Conrads Dichtertraum ist für ihn sündhafter Ehrgeiz, weltliche Ruhmsucht, direkter Weg zur Hölle. In diesem Sinn wird Conrad bearbeite von dem Konventikel des Arztes, der ihn nach der Entlassung aufnimmt. Er lernt dort Französisch, hofft als Lehrer eine bürgerliche Anstellung zu finden, aber jede Initiative wird von der Mutter entmutigt: dem entlassenen Tollhäusler gibt keiner eine Stellung!

Gedanken, im Ausland neu anzufangen, werden von der Mutter ebenso blockiert wie auch nur sein mildestes Interesse an Frauen. Jedes Mädchen, das Conrad nicht für verrückt hält, vertreibt sie so erfolgreich wie Marie (Ludwigs Mutter) Lila Bulyowski. Sie behindert den Sohn in seiner Entfaltung und wirft ihm gleichzeitig Unselbständigkeit vor. Bei jedem seiner Versuche, sich zu lösen, beschwört sie die Gefahr des Rückfalls und droht mit der Anstalt (unterschwellig). Aus falschverstandener christlicher Nächstenliebe kehrt er zurück ins Elternhaus, verzichtet altruistisch auf eine Arbeitsstelle zugunsten eines mittellosen Mitbewerbers und erlegt sich ein fast zweijähriges Martyrium auf. Die Mutter duldet keine geistige Arbeit, da sie seine Menschenscheu fördere. Nur heimlich kann er dichten. Er wird bevormundet, bemitleidet, als minderwertig behandelt. Erst als die Mutter stirbt, wird er frei. Sie übernimmt sich bei der Schwerstpflege eines Verwandten, dessen Vermögen der Familie zufällt, und sucht danach eine Art »Psychotherapie« in einer frommen Gruppe, die ihr brutal die Auen für ihre Erziehungsfehler öffnen und sie damit derartig verstört, dass sie nun selbst in der Anstalt Zuflucht sucht, jedoch wirkliche Schuld und unechte Schuldgefühle wahnhaft vermischt und den Verlust ihres Selbstbildes als »gute Mutter« nicht erträgt. Sie sucht Erlösung im Freitod, um ihren Kindern nicht mehr zu schaden.

Der Tod scheint diesen eine Chance zu geben und schadet ihnen doch. Niemand wirbt um die Tochter der verrückten Selbstmörderin, der werbende Sohn erhält einen Korb. Trotzdem beginnt für Conrad eine gute Zeit in Gesellschaft der geliebten, wesensverwandten Schwester. Beide unternehmen Reisen, er sucht ins bürgerliche Leben zurückzukehren, sein Studium fortzusetzen, obgleich dies unterbleibt, da die Erbschaft ihm keinen Verdienst mehr abfordert und erlaubt, vom Vermögen zu leben.

Aber im Alter von 40 Jahren, als Ludwigs Schicksal sich bereits erfüllt, hat Meyer noch immer nicht angefangen, zu leben. Mit 46 Jahren veröffentlicht er sein erstes episches Werk, 1873 folgt die erste Novelle, 1874 besucht er München … was, wenn er dem König begegnet wäre? Aber dieser dürfte in Paris oder in seinen Bergen gewesen sein.

Später erhielt Meyer für seine literarischen Verdienste den Maximilianorden, den Ludwig auch Theodor Storm verliehen hatte, ob aber die Verleihung bei Meyer noch der König vornahm oder erst der der Prinzregent, vermag ich nicht zu sagen.

Binnen weniger Jahre ist aus dem hässlichen jungen Entlein ein stolzer Schwan geworden, die großen Dichterkollegen nehmen ihn ernst, sein Selbstvertrauen wächst, und nun sucht auch Meyer Kompensation für die Demütigungen der Jugend. Nicht eine Königskrone kann ihm diese bringen, aber eine Ehefrau!

Meyers wie König Ludwigs Verlobung dürfte vor allem aus dem Motiv heraus entstanden sein, sich selbst und der Welt Normalität und Männlichkeit zu beweisen. Ludwig war so klug zu erkennen, dass dies für eine Ehe nicht genügt, und erregte durch seine Entlobung wieder einmal den Zorn von Familie und Gesellschaft. Der junge König handelte richtiger als der 50jährige, vielleicht von Torschlusspanik beeinflusste Dichter. Seinen Wunsch, endlich anerkannt zu werden von denen, die ihn immer missachtet hatten, dazuzugehören zur Welt der Philister, erfüllte ihn diese Ehe.

Luise war weder jung noch schön, aber Inbegriff des Gesunden und Stabilen, der willkommene ergänzende Gegensatz zu Conrad, und die sitzengebliebene »alte Jungfer« nahm den Antrag des anerkannten Dichters an. Dass von keiner Seite Leidenschaft im Spiel war, scheint Meyer nicht gestört zu haben, ebenso wenig, dass zwischen ihm und dieser eingefleischten »Martha« keine geistig-seelische Verbindung existierte. Storm war schließlich auf die gleiche Weise mit seiner Constanze sehr glücklich geworden, und neben der Hausfrau, die er geheiratet hatte, glaubte der weltfremde Conrad ja noch seine Maria zu haben, die Schwester, der er in die Feder diktierte, seine Muse und Sekretärin zugleich. Das Problem zweier Frauen unter einem Dach unterschätzte er, und er wusste nicht, dass Luise vom boshaften Stadtklatsch über die »unnatürlich« enge Geschwisterbeziehung negativ beeinflusst war. Erotische Entfaltung und gesellschaftliche Anerkennung steigerten Selbstvertrauen und Schaffensfreude derartig, dass nun alle großen Werke entstanden, obgleich Luise Meyers Zeit für gesellschaftliche Verpflichtungen beschlagnahmte und Schwester Betsy das Haus verließ, in dem Luise sie nur widerwillig duldete.

Conrad begriff nie, warum ihn die geliebte Schwester verließ und ins Ausland ging, da sie ihm den wahren Grund um des lieben Friedens willen verschwieg.

Ein Kind wurde geboren, der Erfolg steigerte sich von Novelle zu Novelle. Aber ein Jahr nach Ludwigs Tod kamen Zukunftsängste, Todesgedanken und psychosomatische Krankheiten zusammen. Todesangst der Altersdepression birgt sich in der großen Novelle »Die Versuchung des Pescara«. Der über 60jährige verfiel wieder in Suizidgedanken. Nach seiner letzten Novelle »Angela Borgia« verschlimmerte sich sein Gemütszustand. Er grübelte über die Sinnfrage, vermisste die Schwester. Alpträume, Selbstzweifel, Schuldgefühle über den Tod der Mutter quälten den Dichter. Man möchte diese Erscheinungen eher der Altersdepression als dem »Wahnsinn« zuordnen.

Kellers schlechte Kritik seiner Novelle ließ ihn am Sinn seines dichterischen Schaffens zweifeln. – Die Schuldgefühle gegenüber der verstorbenen Mutter machen den Dichter wehrlos gegen Luises Bevormundung, die zunehmend seine Zweitmutter wird. Schließlich kommt es zum nervlichen Zusammenbruch, den man nach Luises Beschreibungen als »senile Melancholie« treffend diagnostizieren wird. Die Schwester hat nach dem Abschied aus dem Elternhaus ihr trauriges Familienschicksal angenommen und ist Pflegerin in einer christlichen Heilanstalt geworden, um Fremden zu geben, was Mutter und Bruder nicht mehr annehmen können. Sie wäre die Richtige, um Meyer zu helfen: sie verfügt über Erfahrung mit psychischer Krankheit und ist seiner alter ego, ihm liebend und verstehend nahe. Aber Luise, die die Fortsetzung der ihr durch Eifersucht auf Betsy verhaßten Dichtung fürchtet und diese für »schädlich« erklärt, überredet ihren Mann wieder in die Irrenanstalt zu gehen – und er geht wieder gehorsam, laut Betsy, weil es dort noch erträglicher ist als an der Seite seiner Frau und weil er fürchtet, gegen diese sonst so tätlich zu werden wie Ludwig (angeblich??) gegen die Diener in seinen Schlössern.

Aber in der Anstalt verliert Meyer sich nun endgültig selbstf. Ist es die Erinnerung? Verschmelzen Mutter und Luise zu einer Bedrohung? Schikaniert er deshalb Luise mit verinnerlichten mütterlichen Sparsamkeitsforderungen, obgleich Geld genug da ist? Er darf im Irrenhaus nicht mehr dichten. Echte Wahnideen stellten sich ein, Personenverwechslungen, unzusammenhängende Kritzeleien auf Zetteln – was hat die Psychiatrie mit ihm angestellt? Er weiß nicht mehr, in welchem Jahrhundert er lebt, sein Zustand erinnert an Otto. Die Epochen seiner historischen Novellen sind ihm näher als die Gegenwart, und doch zweifelt er an seinem Talent. Ohne Besserung wird er entlassen und verbringt die letzte Lebenszeit unter Kuratel seiner Frau, die alle Bekannten und Freunde und die literarische Welt abwimmelt. Er darf weder dichten noch die geliebte Schwester mehr sehen, da es wegen der Einlieferung in die Anstalt zwischen dieser und seiner Frau zum Bruch kam. Endlich gehört er Luise allein.

Ob er Betsy noch erkennt, als diese ihn noch einmal besuchen darf, ist ungewiß. Er bleibt der Gefangene seiner Frau, die ihm »aus Schonung« jeden Lebensinhalt und jede Lebensfreude nimmt, bis ihn mit 73 Jahren ein sanfter Tod erlöst.

Ob König Ludwig II. sich im See ertränkte, einen Herzschlag erlitt, ob ihn eine Ration Chloroform oder eine Kugel von einer solchen Zukunft erlöste – es war eine Gnade des Himmels!

Welch eine Gnade war es aber auch, daß der durch seine entsetzliche Erziehung geschädigte und durch die spießbürgerliche Umwelt zerbrochene Meyer solche Gedichte schrieb!
Welche Seele enthüllt sich in dieser Lyrik!
Schon einige Gedichte genügen zur vollen Rechtfertigung dieses angeblich armen und schwachen Lebens!


Hinweis
Interessante Beiträge von Erika Brunner, wie z.B.:
»Der Eskapismus der Königskinder –
Ludwigs und Elisabeths Weltflucht und Menschenscheu
«

erscheinen in dem neuen Buch von Peter Glowasz: »Herrlichkeit und Tragik eines Märchenkönigs« (Erscheinungstermin: Juni 2003).


Copyright@ April 2003 by Peter Glowasz Verlag, Berlin

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