»Kinis Erben«, der
»Verein zur Pflege kulturhistorischen Erbgutes König Ludwig II. von Bayern«, lud sich für
die Feier des 20-jährigen Bestehens des Vereins den seit vielen Jahren bekanntesten Ludwig II.-Forscher der
Gegenwart Peter Glowasz als Festredner ein. Ort der Feier: Großer Saal der Katholischen St.
Augustin-Kirchengemeinde in Coburg.
Anläßlich des Vereinsjubiläums stellte Peter Glowasz auch sein neues, spannendes Hörbuch »Auf der Flucht
erschossen...« zum bevorstehenden 120. Todestag des Königs vor.
Doch zunächst begrüßte der Vorsitzende der »Kinis Erben«, Bernt Rose, die Freunde des Bayernkönigs: »950
Jahre Coburg, 200 Jahre Königreich Bayern und 20 Jahre Kinis Erben - das muß heute richtig gefeiert werden«,
so Rose. Er betonte: »Der Verein habe es sich zur Aufgabe gemacht, den Leuten das Erbe und Gedankengut des
Königs näher zu bringen...Ludwig II. hat mich schon immer fasziniert. Der hat Schlösser und Theater gebaut
als Kanonen. Sowas sei den Königstreibern schon damals verrückt erschienen. Und die seien es wohl auch
gewesen, die Ludwig für verrückt erklären ließen...Ich bin ebenfalls Anhänger der Mord-Theorie und folge
somit den Forschungsergebnissen von Peter Glowasz.«
Am Ende der Begrüßungsrede schickte Bernt Rose die Gäste mit einem zackigen »auf Kinis Erben und König
Ludwig II. ein dreifaches Weiß-Blau!« in den Abend.
Nach der Auftakt-Musik: »Freudig begrüßen wir die edle Halle« (aus: »Tannhäuser« von Richard Wagner) und den
einführenden Worten (von einer CD), gesprochen vom Sprecher des Senders DeutschlandRadio Kultur, Olaf Oelstrom,
trat Peter Glowasz an das Rednerpult.
Dann lauschten die Gäste etwa 60 Minuten lang gebannt den Ausführungen des Ludwig-Forschers. Zunächst hob
Glowasz hervor, daß Ludwig II. rund um den Globus der bekannteste Monarch sei. In Tokio kenne man seine
Schlösser ebenso wie in Melbourne, Toronto, Rom und Chicago.
Und dieser König rücke heute wieder ganz nach vorn, er sei heute, in einer Zeit der Friedlosigkeit und
Gewaltbereitschaft, von einer absoluten Aktualität; als Friedensfürst gewinne er vor allem an besonderer
Bedeutung.
Und so sollten wir uns alle wieder an Ludwig II., den Königlichen Kriegsdienstverweigerer erinnern! Auch
sei Ludwig II. der erste Umweltschützer Deutschlands, sozusagen der erste »Grüne« gewesen.
Und da seien auch seine weltberühmten Bauwerke, seine Poetischen Paradiese, wie er sie selbst einmal nannte.
Diese Schlösser würden heute eindeutig zu den abenteuerlichsten Leistungen in der europäischen
Architekturgeschichte seit der Französischen Revolution zählen. Und diese Bauwerke würden dem Freistaat
Bayern heute viele Millionen Euro von Touristen aus aller Welt einbringen.
Ludwig II. wurde zum wahrhaft volkswirtschaftlichen Faktor des Landes! Ja, Bayern könne stolz auf diesen König sein!
Das große Anliegen der Ludwig II.-Forschung und der Millionen kunstsinniger Menschen aus aller Welt sei es,
den König zu rehabilitieren, ihn vom Odium des Mörders und Selbstmörders zu befreien.
Bedauerlicherweise sei die alte regierungsamtliche Version von 1886 vom Mord und Selbstmord noch offiziell
gültig. Die grausame als auch verlogene Geschichte vom 13. Juni 1886 wäre nichts weiter als eine einseitige
Berichterstattung aus dem Hause der damaligen bayerischen Staatsregierung.
Nach den jetzt vorliegenden Forschungsergebnissen stehe zweifelsfrei fest, daß Ludwig II. einem Verbrechen
zum Opfer fiel, er wurde hinterrücks erschossen!
Peter Glowasz kam dann auf sein neues, spannendes CD-Hörbuch »Auf der Flucht erschossen« zu sprechen:
Das Hörbuch beschäftige sich zunächst mit der rechtswidrigen Entmündigung und Gefangennahme des Königs. Mit
Hilfe von renommierten Wissenschaftlern würden in dem Hörbuch alle Möglichkeiten ausgelotet, die Todesursache
des Königs nach 120 Jahren herauszufinden.
Bekannte Gerichtsmediziner aus Berlin und Wien würden sich ausführlich zu dem zweifelhaften Sektionsprotokoll
über die Sektion der Leiche des Königs äußern, ein namhafter Redakteur und Buchautor schildert sein unvergeßliches
Erlebnis am Sterbebett seines väterlichen Freundes Hermann Gudden, der in seinen letzten Atemzügen noch ein
großes Familiengeheimnis lüftete... Schließlich würden ein Kunstmaler aus Berlin über das noch vorhandene
Ludwig II.-Hemd mit den zwei Einschußlöchern – und eine Studienprofessorin aus Starnberg über die Aussage
des sterbenden Dr. Rudolf Magg (er sah am 14. Juni 1886 furchtbare Schußverletzungen am Rücken des Königs)
berichten.
Nun – ich meine: das neue Hörbuch von Peter Glowasz, einmalig und aufschlußreich in der bisher gesamten
erschienenen Ludwig II.-Literatur, sollte im Regal eines jeden Ludwig II.-Interessierten keinesfalls fehlen.
Am Schluß seines Vortrages verlas Peter Glowasz den Wortlaut des letzten Briefes Ludwigs II. an seine Mutter
vom 1. Juni 1886, geschrieben im Schloß Linderhof:
»Liebe Mutter!
Herzlichen Dank für Deinen lieben Brief und
die Neuigkeiten, die er enthielt. Da ich dieses
Jahr außergewöhnlich lange in Hohenschwan-
Gau war und erst am 11. Mai von dort aufge-
brochen bin, fuhr ich nicht während dieses
Monats zurück – was ich sonst gewöhnlich tue –
sondern erst heute, am 1. Juni. Ich werde ein
paar Wochen hier sein und dann wahrscheinlich
Ende Juli oder Anfang August wie üblich.
Dass Du froh bist, nicht in München zu sein, kann
ich gut verstehen, es ist gräßlich dort, besonders
im Sommer. Es war sehr schön auf dem Hochkopf
mit strahlendem Mondschein, und ebenso hier in
Linderhof. Ich hoffe, dass Du einige schöne
Sommertage in Elbingenalp hast (...).
Ich küsse Deine Hand, liebe Mutter und bin
immer, in innigster Liebe
Dein dankbarer Sohn Ludwig«
»Wie Sie dem völlig klaren und gut formulierten Briefinhalt entnehmen können«, so Glowasz, »kam der Tod für
Ludwig II. am 13. Juni 1886 plötzlich und unerwartet; er plante ja noch – wie wir gehört haben – seine
Aufenthaltsorte bis Anfang August.«
Und Peter Glowasz in seinem Vortrag weiter: »Wie auch eindeutig nachgewiesen werden konnte, führte der König
bis zum 8. Juni, dem vorletzten Tag vor der gewaltsamen Gefangennahme, seine Regierungsgeschäfte in einem
festen, regelmäßigen Rhythmus – und wie immer – mit einer außerordentlichen Genauigkeit.
Und mit dem gewaltsamen Tod hat wohl keiner gerechnet, schon gar nicht der König selbst.
Ludwig II., hoch differenziert, sensibel und von überragender Intelligenz, wurde das Opfer einer
‚Staatsmaschine’. Die bekannte falsche, amtliche Geschichtsversion von 1886 (Mord an Gudden und
Selbstmord des Königs) war besonders töricht und stümperhaft zusammengeflickt – und wurde übrigens vom
Volk nie ganz geglaubt.
Die mit Macht, Dummheit und Brutalität ausgerüstete ‚Staatsmaschine’ war aber bei Ludwig II. an ein Opfer
geraten, das sie im höheren Sinne nicht umbringen konnte.
Und so wirkt König Ludwig II. weit über seinen plötzlichen Tod hinaus auf Menschenherzen, die sich trotz
allen geschichtlichen Wandels ihre Träume und Sehnsüchte zu bewahren vermögen.
König Ludwig II. von Bayern wurde erlöst vom Leben, er ist hinübergegangen ins ‚Weltenreich der Nacht’. Doch
im geschichtlichen Sinne lebt er weiter – auch in seinen Schlössern, in seinen ‚Poetischen Paradiesen’.
Ludwig II. zwingt uns zur Auseinandersetzung mit unserer Existenz und der des Menschen überhaupt, denn nirgends
findet sich in einem Menschen der Neuzeit – einem wirklichen, lebendigen Menschen, keiner Bühnenfigur – so
überlebensgroß Herrlichkeit und Tragik des Menschseins vereint.
Wie immer der Tod ihn ereilte, er kam barmherzig, zu schnell, um Furcht zu erregen – und er kam als Erlöser.«
Soweit Auszüge aus dem Vortrag von Peter Glowasz. Das Publikum dankte dem Ludwig-Forscher mit kräftigen Beifall.
Die Zeitungen Neue Presse und Coburger Tageblatt berichteten ausführlich über den Vortrags-Abend.