25. August 2006:
Geburtstagsgruß
an
König Ludwig II. von Bayern
Eine Huldigung
von
Peter Glowasz

Wir feiern am 25. August den 161. Geburtstag von König Ludwig II. von Bayern, der rund um den Globus der bekannteste deutsche Monarch ist. Herzlichen Glückwunsch, lieber Ludwig!
Ja, und dieser König rückt heute wieder ganz nach vorn, er gewinnt in seiner Rolle als Friedensfürst an besonderer Bedeutung.
Interessanterweise findet Ludwig II. vor allem bei jungen Menschen besonders großes Interesse; dies beweisen auch eindeutig die täglichen, tausendfachen Zugriffe zu den Ludwig II.-Internetseiten. Die kulturorientierte Jugend setzt heutzutage auf Vorbilder, die sie unter den historischen Gestalten sucht – und somit auch schon gefunden hat.
Ludwig II. strebte nach Reinheit und Keuschheit, er war ein tiefgläubiger Mensch. Er paßte nicht zu seiner schäbigen Umwelt, die ihn ständig auf widerlichste Weise betrogen, belogen und schließlich auch verraten hat. Und so wurde Ludwig II., hoch differenziert, sensibel und von überragender Intelligenz, das Opfer einer Staatsmaschine; diese mit Macht, Dummheit und Brutalität ausgerüstete Staatsmaschine war aber bei Ludwig II. an ein Opfer geraten, das sie im höheren Sinne nicht umbringen konnte!
Und so wirkt Ludwig II. weit über seinen gewaltsamen Tod hinaus auf Menschenherzen, die sich trotz allen geschichtlichen Wandels ihre Träume und Sehnsüchte zu bewahren vermögen.

Viele junge Menschen heutzutage nehmen lebhaften Anteil an diesen Lebens- und Leidensweg des Königs; sie sehen in ihm ein gewisses Vorbild. Noch lebende Zeitgeister enttäuschen durch ihr Verhalten bzw. Handeln die Jugend von heute; dies beweisen die vielen Leserbriefe und meine Gespräche nach Vorträgen bzw. Lesungen.
Diese Jugendlichen tragen nämlich in sich eine spürbare Ahnung von Ludwigs und von unser aller Innenwelt. Sie verstehen diesen König – und zwar in einer ethischen Betrachtungsweise mit viel Kunstverständnis. Ludwig II. fasziniert sie einfach, da er eine Alternative lebte zum Planen und Handeln der Macher, die ihn in den Tod trieben, um reibungsvolles Funktionieren der Staatsmaschinerie zu gewährleisten.
In der heutigen liberalen und rauhen Zeit sind aber Menschen wie Ludwig II. absolut gefährdet.
Man bedenke dabei: Macht liegt immer in den Händen der Außengesteuerten, der Realpolitiker wie Lutztypen und Gefährten oder auch Bismarck, die ihre Herrschaft auf die Kooperation der Konformisten stützen, ob diese nun Eulenburg-Hertefeld oder von Ziegler heißen – oder namenlose Manager großer Konzerne sind. Rentabilität ist hier das oberste Gebot!
Und der Romantiker wie Ludwig II. erscheint in dieser Welt als unverbesserlicher Träumer, weil die Innenwelt sein eigentlicher Lebensraum ist. Und so ist auch sein Interesse für die von Kapital und Tagespolitik bestimmte Außenwelt sehr gering.
Ludwig II. äußerte einmal: »Ich bin einfach anders gestimmt als die Mehrheit meiner Mitmenschen. Ich kann nicht teilnehmen an dem was sie Vergnügen nennen, denn es widert mich an und zerstört mein Wesen.«
Und eben diese Weigerung des Königs, das Vergnügen der Gesellschaft zu teilen, verzeiht diese am allerwenigsten, weil sie sich dadurch in Frage gestellt sieht.
Doch der Romantiker wie Ludwig II. hütet einen metaphysischen Schatz, den die Realisten nicht kennen und für überflüssig halten. Den Romantiker bedroht auch nie die Langeweile, die aber für die Außengesteuerten Herren des Marktes und des Staates zur großen tödlichen Gefahr werden kann, wenn die Pensionierung eintritt oder ein Amt oder ein Machtposten verlorengeht.

König Ludwig II. würde heute, im Jahre 2006, vor Fernsehkameras flüchten – und er müßte seine Schlösser absuchen lassen nach Wanzen. Ja – und regieren würde der König per Computer und Handy, ohne unliebsame Ministerialbeamten persönlich empfangen zu müssen.
Sein Theater hätte Ludwig II. sicherlich verloren, denn dessen ständige zeitgeistgerechte Innovationen, die hektische Änderungswut und permanente Umwertung aller Werte hätten ihm das genommen, was er durch Wieder-Holung zu bewahren suchte.
Ersatzweise könnte er sich aber per TV, Audio, Video und DVD Separatvorstellungen gönnen, in denen man die Werke noch als das erkennt, was sie waren und bleiben sollten.

Nun, Ludwig II., der Romantiker, der sich in der Vergangenheit zu Hause fühlt, ist verloren in einer nur noch auf Zukunft hin orientierten Welt, die sich in ziellosem Erneuerungsrausch ständig selbst verstümmelt und alles ersetzbar macht.
Ludwig II., der König im Wunderreich der Nacht, der Poesie, der Träume, der unstillbaren Sehnsucht nach Sinn, nach Transzendenz, gehört nicht in die Welt des Tages. Er gehört nicht in unsere rauhe Welt!

Ja, und wenn sich der Allmachtswahn technischer und biologischer Omnipotenz als enttäuschend – und die totale Vermarktung des Lebens als destruktiv enthüllt haben, wird vielleicht eine n e u e G e n e r a t i o n ebenfalls wieder-holen, was war und unwandelbar bleiben sollte.
König Ludwig II. ist also unzeitgemäß wie eh und je – und darum unverwechselbar e r s e l b s t !
Ludwig II. ist kein Erfolgsmensch. Einfacher Grund: er paßt nicht in diese Welt. Aus heutiger Sicht also ein Gescheiterter.

Nun, Gefühl und Romantik ist bei vielen Menschen wieder angesagt. Und so erinnere ich da an die geistige Atmosphäre einer Epoche im 19. Jahrhundert; sie war von vier großen Gestalten geprägt:

Wagner – Liszt – Chopin – und Ludwig II.

Diese Persönlichkeiten stehen unverkennbar für die Merkmale der Romantik. Um es hier gedrängt zu fassen: Wagner symbolisiert die Erlösung, Liszt die Liebe, Chopin den Schmerz und Ludwig II. die Illusion. – Der König sah in allem nur die Schönheit – mit den Augen der Liebe.
Dieser schüchterne, errötende Schöngeist war ein Mensch des Friedens – ein wahrer Friedenskönig.

Ja, und in Europa des ausgehenden 19. Jahrhunderts war Ludwig II. eindeutig der letzte große Künstler, Theaterkönig und große Bauherr als auch der letzte wirkliche Monarch unter den gekrönten Häuptern.

Und seit jener Zeit begann das Bild Ludwigs II. sich dichterisch zu verklären, symbolische Bedeutung zu gewinnen.
Seine Erscheinung ist und bleibt außerordentlich, einmalig – ja wie auch eines großen Tragödienhelden:

KÖNIG HAMLET – LUDWIG II. VON BAYERN! –

Nun, nutzen wir angesichts des 161. Geburtstages die Gelegenheit, eine kurze Zeitreise zurück in das Jahr 1864 zu unternehmen – und blicken wir auf Ludwigs Geburtstag vom 25. August 1864:
Schon am Vorabend des Geburts- und Namensfestes Ludwigs II. waren die Räumlichkeiten im Schloß Hohenschwangau besonders geschmackvoll beleuchtet; und rings auf den Bergen loderten mächtige Feuer und unzählige Böllerschüsse unterbrachen die Stille des Abends.


Menükarte von der Geburtstagstafel König Ludwigs II. vom 25. August 1864

Richard Wagner hatte sich allerdings den Geburtstag des Königs ganz anders vorgestellt; er hatte nämlich eine besondere Überraschung für den König: er plante für Schloß Hohenschwangau eine sogenannte »Morgenmusik« mit Ausschnitten aus »Lohengrin« und »Tannhäuser« – und vor allem wollte er seinen eigens für diesen Tag neu komponierten großen »Huldigungsmarsch« dem König zu Gehör bringen.

Am Vorabend, es war der 24. August 1864, begab sich Wagner bei sehr schlechtem Wetter zusammen mit dem Münchener Generalmusikmeister Peter Streck und 80 Militärmusikern zunächst nach Füssen. Am 25. August sollten nun Strecks Militärmusiker das besondere Geburtsgeschenk für den König, nämlich das Originalwerk Wagners in Hohenschwangau aus der Taufe heben.
Doch daraus wurde nichts. Aufgrund einer vermutlich vorgeschobenen Unpäßlichkeit der Königin Mutter mußte der Besuch Wagners mit seinen Militärmusikern am 25. August abgesagt werden.
Wagners festlicher und weihevoller »Huldigungsmarsch« konnte dann erst einige Monate später, am 5. Oktober, es war ein trüber und kalter Herbsttag, im Hof der Münchener Residenz dargeboten werden. Einziger Hörer der musikalischen Huldigung war König Ludwig II., der am Fenster stand; Wagner selbst hatte die Proben geleitet. Das Volk war für diese musikalische Darbietung nicht zugelassen. Der »Huldigungsmarsch« wurde seitdem in den kommenden Jahren nie mehr öffentlich gespielt.
 


»Huldigungsmarsch«, Titelseite der Erstausgabe. Publiziert wurde
zunächst der Klavierauszug, den Hans von Bülow angefertigt
hatte. Richard Wagner schrieb dieses Werk im Sommer 1864
als »Geburtstagsmusik« für den König.

Nun, zum 25. August 1865, es war der 20. Geburtstag des Königs, ließ Wagner als Geschenk die handschriftliche Partitur des »Rheingold« und einen gerade vollendeten Klavierauszug der »Walküre« überreichen. Ludwig II. hatte an seinem Geburtstag Wilhelm I. von Preußen zu Gast, weshalb er Wagner nicht empfangen konnte.

Zu dem Geburtstagsgeschenk ist befremdlich anzumerken, daß Wagner die Rechte für dieses Werk schon längst an Otto Wesendonk verkauft hatte, dafür abkassierte, dann sogar die Rechte unbedenklich nochmals gegen Sofortzahlung verkaufte, nämlich an den Musikalienhändler Schott. Dann bekam es der Maestro mit chronisch leeren Taschen tatsächlich noch fertig, den guten Freund Otto Wesendonk am 31. Juli 1865 dahingehend zu bitten, ihm doch die Original-Partitur des »Rheingold« zurückzugeben, weil er diese dem König schenken wolle! Wesendonk, der edle Freund, übersandte Wagner die Partitur. Doch an Rückerstattung des Geldes dachte Wagner nicht. Nun, ohne daß er Ludwig II. von seinem Geschäft mit Wesendonk überhaupt unterrichtet hatte, versprach Wagner dem Freund Wesendonk sogar eine angemessene Entschädigung durch den König. Durch diese eigenmächtige Verfügung wurde eigentlich der König gezwungen, selbst sein Wagner-»Geschenk« zu bezahlen!
Heute wissen wir, daß Wagner, der Meister der Ausbeutung, der stets auf Pump lebte und wirkte, allein den König im Laufe der weiteren Jahre mit umgerechnet viereinhalb Millionen Euro erleichterte.
Und so wissen wir auch heute, daß König Ludwig II. einen besseren Freund verdient hätte. –

Doch erinnern wir uns an Menschen bzw. Geburtstags-Gratulanten, die es ehrlicher und liebevoller mit dem König meinten: In späteren Jahren, so etwa 1870 bis 1885, freute sich Ludwig II. immer sehr, wenn er auch seine Geburtstage mit der Kaiserin Elisabeth, genannt Sisi, in der Abgeschiedenheit »nachfeiern« konnte. Sisis Absteigequartier war seit 1870 das Hotel Strauch in Feldafing; sie hatte außerdem auch im Pfarrhof, gegenüber dem Hotel, Räume gemietet. Stets kam sie, jedesmal begleitet von der Prinzessin Valerie, in einem Extrazug, mit dem auch 15-18 Pferde und mehrere Equipagen mitgeführt wurden. Das Gefolge bestand meist aus 50 Personen.
War Sisi im Hotel eingetroffen, so ließ sich Ludwig II. um Mitternacht mit einem Schiff herüberfahren; dort wurde er von einem Zweispanner erwartet und im scharfen Galopp ging es durch die Anlage zum Hotel. Stets wurde die späte Stunde des Besuches gewählt, damit niemand etwas sehen konnte. Der König weilte bei Tee und anregender Unterhaltung immer nur eine halbe Stunde bei der Kaiserin. Und im Hotel verabredete man auch, besonders aus Anlaß eines anstehenden Geburtstages, ein heimliches Treffen auf der Roseninsel.
Auch bezeugt ist, daß Ludwig II. regelmäßig von einem unbekannten jungen Mädchen Blumen, vor allem zum Geburtstag, erhielt. Der König ist dieser Unbekannten aber nie persönlich begegnet – und sie selbst gab auch nie ihre Identität preis. Dem König war dieses Mädchen lieb und teuer, weil sie stets auf Dank und Gegengeschenke verzichten wollte. Ludwig II. dachte auch nie daran, sie aufzusuchen, um sie einzuladen. Schließlich wollte er nicht enttäuscht werden. In diese Verehrerin projizierte Ludwig II. sein Ideal des Weiblichen.
Die Blumen erhielt er buchstäblich bis zum Ende seines Lebens; am 6. Juni 1886, also etwa eine Woche vor dem Tode des Königs, traf in der Neuen Burg Hohenschwangau ein wundervoller Blumenkorb des Mädchens ein, ein vergoldetes Füllhorn mit duftenen Rosen und Eucharisblüten. Dieses Geschenk einer wohl wirklich Liebenden war die letzte Freude des Königs; beglückt zeigte er dieses Geschenk seinen Dienern.
Die Blumen wurden auf den Tisch im Speisezimmer gestellt; kurz darauf traf die Fangkommission mit dem Psychiater Gudden ein - und sie raubten dem König seine Freiheit.
In Ludwigs Nachlaß wurde auch ein Gedicht des jungen Mädchens gefunden, das später, nach dem Tod des Königs, ins Kloster eintrat. Der König, der sich nachweislich gegenüber weiblichen Huldigungen und Begegnungen stets aufgeschlossen zeigte, hat das literarische Bekenntnis dieses Mädchens also nie weggeworfen. –

Damit ist unsere kleine Geburtstags-Zeitreise in die Vergangenheit beendet – und wir kehren wieder zurück in das Jahr 2006.
Am 25. August feiern wir nun den 161. Geburtstag des Königs – und es wird wieder ein großes Fest in Füssen und in der Umgebung geben.
Das Festspielhaus Neuschwanstein, ganz in der Nähe der Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein, präsentiert ein umfangreiches Fest-Programm. Und ein erfreuliches Theatererlebnis wird es auch für jeden Besucher geben, wenn er die glanzvolle Aufführung des neuen Musicals Ludwig² sehen wird.
Und Du, lieber Ludwig, hoch droben wirst sicherlich mit Freude auf das große Geburtstagsfest und auf Dein wunderschönes Theater herunterschauen. Und wir alle werden spüren, daß Du eigentlich ganz in unserer Nähe bist. Happy Birthday, lieber Ludwig.


Copyright@ August 2006 by Peter Glowasz Verlag, Berlin

 Ludwig II.-Forschung
 Aktuelle Beiträge von
 Peter Gloswasz
 mehr
 

 
 

 L-II.-Aufenthaltsorte
 - Brunnenkopfhaus
 - Hochkopfhütte
 - Hundinghütte
 - Plansee
 - Roseninsel
 - Soiernhäuser
 - alle Orte

 
 
 

© 2006 by König-Ludwig-Zwei.com | Alle Rechte vorbehalten! | Kontakt & Impressum | nach oben