Wir feiern am 25. August den 161. Geburtstag von König Ludwig II. von Bayern, der rund um den Globus der
bekannteste deutsche Monarch ist. Herzlichen Glückwunsch, lieber Ludwig!
Ja, und dieser König rückt heute wieder ganz nach vorn, er gewinnt in seiner Rolle als
Friedensfürst an
besonderer Bedeutung.
Interessanterweise findet Ludwig II. vor allem bei jungen Menschen besonders großes Interesse; dies beweisen
auch eindeutig die täglichen, tausendfachen Zugriffe zu den Ludwig II.-Internetseiten. Die kulturorientierte
Jugend setzt heutzutage auf Vorbilder, die sie unter den historischen Gestalten sucht – und somit auch schon
gefunden hat.
Ludwig II. strebte nach Reinheit und Keuschheit, er war ein tiefgläubiger Mensch. Er paßte nicht zu seiner
schäbigen Umwelt, die ihn ständig auf widerlichste Weise betrogen, belogen und schließlich auch verraten hat.
Und so wurde Ludwig II., hoch differenziert, sensibel und von überragender Intelligenz, das Opfer einer
Staatsmaschine; diese mit Macht, Dummheit und Brutalität ausgerüstete
Staatsmaschine war aber bei Ludwig
II. an ein Opfer geraten, das sie
im höheren Sinne nicht umbringen konnte!
Und so wirkt Ludwig II. weit über seinen gewaltsamen Tod hinaus auf Menschenherzen, die sich trotz allen
geschichtlichen Wandels ihre Träume und Sehnsüchte zu bewahren vermögen.
Viele junge Menschen heutzutage nehmen lebhaften Anteil an diesen Lebens- und Leidensweg des Königs; sie
sehen in ihm ein gewisses Vorbild. Noch lebende Zeitgeister enttäuschen durch ihr Verhalten bzw. Handeln
die Jugend von heute; dies beweisen die vielen Leserbriefe und meine Gespräche nach Vorträgen bzw. Lesungen.
Diese Jugendlichen tragen nämlich in sich eine spürbare Ahnung von Ludwigs und von unser aller Innenwelt. Sie
verstehen diesen König – und zwar in einer ethischen Betrachtungsweise mit viel Kunstverständnis. Ludwig II.
fasziniert sie einfach, da er eine Alternative lebte zum Planen und Handeln der Macher, die ihn in den Tod
trieben, um reibungsvolles Funktionieren der Staatsmaschinerie zu gewährleisten.
In der heutigen liberalen und rauhen Zeit sind aber Menschen wie Ludwig II. absolut gefährdet.
Man bedenke dabei: Macht liegt immer in den Händen der Außengesteuerten, der Realpolitiker wie Lutztypen und
Gefährten oder auch Bismarck, die ihre Herrschaft auf die Kooperation der Konformisten stützen, ob diese nun
Eulenburg-Hertefeld oder von Ziegler heißen – oder namenlose Manager großer Konzerne sind. Rentabilität ist
hier das oberste Gebot!
Und der Romantiker wie Ludwig II. erscheint in dieser Welt als unverbesserlicher Träumer, weil die Innenwelt
sein eigentlicher Lebensraum ist. Und so ist auch sein Interesse für die von Kapital und Tagespolitik bestimmte
Außenwelt sehr gering.
Ludwig II. äußerte einmal: »Ich bin einfach anders gestimmt als die Mehrheit meiner Mitmenschen. Ich kann nicht
teilnehmen an dem was sie Vergnügen nennen, denn es widert mich an und zerstört mein Wesen.«
Und eben diese Weigerung des Königs, das Vergnügen der Gesellschaft zu teilen, verzeiht diese am allerwenigsten,
weil sie sich dadurch in Frage gestellt sieht.
Doch der Romantiker wie Ludwig II. hütet einen metaphysischen Schatz, den die Realisten nicht kennen und für
überflüssig halten. Den Romantiker bedroht auch nie die Langeweile, die aber für die Außengesteuerten Herren
des Marktes und des Staates zur großen tödlichen Gefahr werden kann, wenn die Pensionierung eintritt oder ein
Amt oder ein Machtposten verlorengeht.
König Ludwig II. würde heute, im Jahre 2006, vor Fernsehkameras flüchten – und er müßte seine Schlösser
absuchen lassen nach Wanzen. Ja – und regieren würde der König per Computer und Handy, ohne unliebsame
Ministerialbeamten persönlich empfangen zu müssen.
Sein Theater hätte Ludwig II. sicherlich verloren, denn dessen ständige zeitgeistgerechte Innovationen, die
hektische Änderungswut und permanente Umwertung aller Werte hätten ihm das genommen, was er durch Wieder-Holung
zu bewahren suchte.
Ersatzweise könnte er sich aber per TV, Audio, Video und DVD Separatvorstellungen gönnen, in denen man die
Werke noch als das erkennt, was sie waren und bleiben sollten.
Nun, Ludwig II., der Romantiker, der sich in der Vergangenheit zu Hause fühlt, ist verloren in einer nur noch
auf Zukunft hin orientierten Welt, die sich in ziellosem Erneuerungsrausch ständig selbst verstümmelt und alles
ersetzbar macht.
Ludwig II., der König im Wunderreich der Nacht, der Poesie, der Träume, der unstillbaren Sehnsucht nach Sinn,
nach Transzendenz, gehört nicht in die Welt des Tages. Er gehört nicht in unsere rauhe Welt!
Ja, und wenn sich der Allmachtswahn technischer und biologischer Omnipotenz als enttäuschend – und die totale
Vermarktung des Lebens als destruktiv enthüllt haben, wird vielleicht eine n e u e G e n e r a t i o n
ebenfalls wieder-holen, was war und unwandelbar bleiben sollte.
König Ludwig II. ist also unzeitgemäß wie eh und je – und darum unverwechselbar e r s e l b s t !
Ludwig II. ist kein Erfolgsmensch. Einfacher Grund: er paßt nicht in diese Welt. Aus heutiger Sicht also ein
Gescheiterter.
Nun, Gefühl und Romantik ist bei vielen Menschen wieder angesagt. Und so erinnere ich da an die geistige
Atmosphäre einer Epoche im 19. Jahrhundert; sie war von vier großen Gestalten geprägt:
Wagner – Liszt – Chopin – und Ludwig II.
Diese Persönlichkeiten stehen unverkennbar für die Merkmale der Romantik. Um es hier gedrängt zu fassen: Wagner
symbolisiert die Erlösung, Liszt die Liebe, Chopin den Schmerz und Ludwig II. die Illusion. – Der König sah in
allem nur die Schönheit – mit den Augen der Liebe.
Dieser schüchterne, errötende Schöngeist war ein Mensch des Friedens – ein wahrer Friedenskönig.
Ja, und in Europa des ausgehenden 19. Jahrhunderts war Ludwig II. eindeutig der letzte große Künstler,
Theaterkönig und große Bauherr als auch der letzte wirkliche Monarch unter den gekrönten Häuptern.
Und seit jener Zeit begann das Bild Ludwigs II. sich dichterisch zu verklären, symbolische Bedeutung zu gewinnen.
Seine Erscheinung ist und bleibt außerordentlich, einmalig – ja wie auch eines großen Tragödienhelden:
KÖNIG HAMLET – LUDWIG II. VON BAYERN! –
Nun, nutzen wir angesichts des 161. Geburtstages die Gelegenheit, eine kurze Zeitreise zurück in das Jahr 1864
zu unternehmen – und blicken wir auf Ludwigs Geburtstag vom 25. August 1864:
Schon am Vorabend des Geburts- und Namensfestes Ludwigs II. waren die Räumlichkeiten im Schloß Hohenschwangau
besonders geschmackvoll beleuchtet; und rings auf den Bergen loderten mächtige Feuer und unzählige Böllerschüsse
unterbrachen die Stille des Abends.
Menükarte von der Geburtstagstafel König Ludwigs II. vom 25. August 1864