„Erinnerungen an O.W.Fischer“

Eine Telefonnotiz über ein Gespräch mit dem großen Schauspieler
von
Peter Glowasz

Gern erinnere ich mich an ein Telefongespräch mit dem großen Schauspieler, das ich noch wenige Wochen vor seinem Tod führen konnte.
Der Grund meines Anrufes war eigentlich eine Nachfrage; ich wollte in Erfahrung bringen, ob mein Brief mit beigefügtem Buch tatsächlich bei Herrn Fischer eingegangen ist.
Mit dem Telefonat hatte ich Glück, denn O.W. war selbst am Telefon; seine Stimme klang sehr schwach, sie wirkte gebrochen. Über meine Buchsendung freute er sich sehr, bemerkte aber sogleich, daß er wegen seines momentan schlechten Gesundheitszustandes noch nicht zum Lesen gekommen sei. Er versprach aber, dies bald nachzuholen – und er würde mir dann schreiben.
Im Verlauf des etwa zehn Minuten dauernden Gespräches sagte er, daß seine Arbeit und seine Tage, die er noch hätte, dazu da sind, für möglichst viele junge Menschen etwas niederzuschreiben, um ihnen die Lebensangst zu nehmen.
Und über den Tod: „Es gibt keinen Tod; es gibt die Unsterblichkeit – wir gehen einfach in die Luft und kommen wieder...
Zu der Filmerei sagte Herr Fischer, daß er gern den bayerischen König Ludwig I. dargestellt hätte. „Er war ein König ohne König zu sein“. Für Fischer wäre auch so eine Darstellung besonders reizvoll gewesen, „weil es dann im Film eine Begegnung mit Goethe gegeben hätte.“ Fischer bemerkte auch, daß Ludwig I. „kein Opfer der Lola Montez war, eher umgekehrt.“

Und so konnte ich auch erfahren, daß „Ludwig II.“ von Helmut Käutner nicht der liebste Film von Herrn Fischer war. Vielmehr aber der Film „Das weite Land“ von Arthur Schnitzler.
Zum Ludwig II.-Film äußerte Fischer: „Ich glaube, daß Ludwig II. – ein verlorenes Wesen in dieser Welt, ein einsamkeitssuchendes Geschöpf – auf mich zurückgestrahlt hat und mich in gewisser Weise dann auch selbst infiziert hat. Und nur so war es mir möglich, mich in dieses Wesen zu verwandeln. Vor allem im letzten Teil des Films fühlte ich mich ganz in dieses Wesen verwandelt. Ein großartiger Stoff, doch der Film gab nicht alles her. Durch eigene zusätzliche Texte wollte ich den Film noch bereichern, doch Käutner ließ dies nicht zu.“

Fischer weiter: „Ich habe Regisseure nie gemocht. Regisseure sind Hebammen, aber keine Mütter. Das wirklich aufregendste am Schauspielerberuf ist das fertige ‚Gedeck’ – und das überzeugendste ist der Dichter, der Autor und nicht der Regisseur. Die Regisseure habe ich in den meisten Fällen als ‚Krafthuber’ kennengelernt. Das sind Männchen, die ein wenig die Fruchtbarkeit verloren haben und sich aufpudeln. Kraft dieser Leute war ihre List; die haben die Kapazität gehabt, dem Darsteller dauernd einzureden, daß alles was sie empfehlen von ihnen kommt.
Das Geheimnis meiner Karriere ist, daß ich immer das geschrieben und gesagt habe, was m i r gefällt – und nicht was anderen gefällt
.“
Für den Rest seiner Tage, so sagte der Schauspieler, Philosoph und Dichter, möchte er mit seinen geliebten Katzen allein bleiben.
Fischer: „Meine Frau ist gestorben, aber sie ist nicht tot. Ich führe stille Gespräche mit ihr. Denn das was sich liebt, sich auch ruft.“ –
Daß ich dann den Brief von Herrn Prof. Fischer am 22. Dezember 2003 – sozusagen für mich ein Weihnachtsgeschenk – erhalten habe, kann ich vor allem der sehr kooperativen Frau Sina Dobermann, langjährige Agentin von Herrn Fischer, verdanken; sie, die stets wöchentlich zu Herrn Fischer in die Schweiz flog, drängte den bereits schon körperlich sehr schwachen Schauspieler zum Schreiben des Briefes. Nur wenige Wochen nach dem Erhalt der erfreulichen Post verstarb O.W. Fischer im Alter von 88 Jahren.

Mehr über O.W. Fischer - und vor allem die ganze Wahrheit über König Ludwig II. von Bayern erfährt der Leser in der neuen überarbeiteten und erweiterten
3. Auflage des Buches von Peter Glowasz:

»Herrlichkeit und Tragik eines Märchenkönigs«


ISBN 925621-16-4 • 24,80 €

Der »König Ludwig II.-Forschung aktuell« liegen inzwischen weitere, verblüffende Erkenntnisse als auch eine Vielzahl von Indizienbeweisen zum Tod König Ludwigs II. von Bayern vor. Im einzelnen handelt es sich um sehr interessante Neuigkeiten; hier sei nur einiges erwähnt:

Ausführlicher Bericht über die Feststellung von Korrisionsschäden am Unterboden des Sarkophags, entstanden durch das Durchsickern
von Leichenwasser...

Nun steht es fest: Der Sarkophag ist nicht leer! Ausführlicher Bericht eines bayerischen Architekten über die Öffnung und das Einsichtnehmen in den Sarkophag im Jahre 1951; genaue Schilderung der Einzelheiten und über das Aussehen des guterhaltenen Leichnams...

König Ludwig II. von Bayern im Film: Einzelheiten über den Käutner-Film „Ludwig II.“ und Ludwig II.-Darsteller O.W. Fischer – mit der Veröffentlichung des Briefes an den Autor, noch kurz vor dem Tod des Schauspielers. Einzelheiten über die Sisi-Darstellerin Ruth Leuwerik, mit der Veröffentlichung des Briefes an den Autor und signiertem Foto.

Zu Gast bei Prof. Dr. Kurt Hommel, dem Theaterwissenschaftler und Buchautor der „Separatvorstellungen vor König Ludwig II. von Bayern“ und des „Theaterkönigs“ (mit Foto).

Interview mit dem Ehrenbürger und Passionsspieler von Oberammergau Melchior Breitsamter; sein Vater arbeitete für den König im Schloß Linderhof.

Zusätzliche Fotos: Geburtszimmer Ludwigs, der Königsring mit dem großen L
Ludwigs imposanter Lesestuhl im Schlafzimmer von Schloß Neuschwanstein – und vieles mehr an Neuigkeiten...


Copyright@ 25. August 2004 by Peter Glowasz Verlag, Berlin

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