Gern erinnere ich mich an ein Telefongespräch mit dem großen Schauspieler, das ich noch wenige Wochen vor
seinem Tod führen konnte.
Der Grund meines Anrufes war eigentlich eine Nachfrage; ich wollte in Erfahrung bringen, ob mein Brief mit
beigefügtem Buch tatsächlich bei Herrn Fischer eingegangen ist.
Mit dem Telefonat hatte ich Glück, denn O.W. war selbst am Telefon; seine Stimme klang sehr schwach, sie wirkte
gebrochen. Über meine Buchsendung freute er sich sehr, bemerkte aber sogleich, daß er wegen seines momentan
schlechten Gesundheitszustandes noch nicht zum Lesen gekommen sei. Er versprach aber, dies bald nachzuholen –
und er würde mir dann schreiben.
Im Verlauf des etwa zehn Minuten dauernden Gespräches sagte er, daß seine Arbeit und seine Tage, die er noch
hätte, dazu da sind, für möglichst viele junge Menschen etwas niederzuschreiben, um ihnen die Lebensangst zu
nehmen.
Und über den Tod: „
Es gibt keinen Tod; es gibt die Unsterblichkeit – wir gehen einfach in die Luft und
kommen wieder...“
Zu der Filmerei sagte Herr Fischer, daß er gern den bayerischen König Ludwig I. dargestellt hätte. „
Er war
ein König ohne König zu sein“. Für Fischer wäre auch so eine Darstellung besonders reizvoll gewesen, „
weil
es dann im Film eine Begegnung mit Goethe gegeben hätte.“ Fischer bemerkte auch, daß Ludwig I. „
kein Opfer
der Lola Montez war, eher umgekehrt i>.“
Und so konnte ich auch erfahren, daß „Ludwig II.“ von Helmut Käutner nicht der liebste Film von Herrn
Fischer war. Vielmehr aber der Film „Das weite Land“ von Arthur Schnitzler.
Zum Ludwig II.-Film äußerte Fischer: „Ich glaube, daß Ludwig II. – ein verlorenes Wesen in dieser Welt,
ein einsamkeitssuchendes Geschöpf – auf mich zurückgestrahlt hat und mich in gewisser Weise dann auch
selbst infiziert hat. Und nur so war es mir möglich, mich in dieses Wesen zu verwandeln. Vor allem im
letzten Teil des Films fühlte ich mich ganz in dieses Wesen verwandelt. Ein großartiger Stoff, doch der
Film gab nicht alles her. Durch eigene zusätzliche Texte wollte ich den Film noch bereichern, doch Käutner
ließ dies nicht zu.“