Die Redaktion von THE NEWS - international erhielt bedauerlicherweise erst jetzt die Nachricht vom Tode Albert Widemanns. Wir bitten deshalb alle Ludwig II.-Freunde, Freunde und Bekannte von Herrn Widemann um Verständnis, wenn wir erst jetzt dem Verstorbenen gedenken.

König Ludwig II.-Forscher
Albert Widemann
ist tot

Ein Nachruf
von
Peter Glowasz

Im Alter von 90 Jahren verstarb am 13. August 2004 ein wahrer Freund König Ludwigs II. von Bayern: ALBERT WIDEMANN. In der Ludwig-Forschung hat Widemann eine herrausragende Rolle gespielt. Ein halbes Jahrhundert, ja bis zum letzten Atemzug, kämpfte er für die Aufklärung der Todesursache des Königs. Der gebürtige Münchner war nämlich fest davon überzeugt, dass der Märchenkönig keines normalen Todes gestorben ist; für Widemann war klar: Ludwig II. wurde erschossen. Der unermüdliche Forscher wollte auch erreichen, dass der königliche Sarkophag noch einmal geöffnet wird. Widemanns akribisches Sammeln von Ludwig-Büchern, Presseberichte und viele andere Informationen im Zentrum seines Wirkens, nämlich in seinem verwunschenen Schusterhäusl an der Würm in Starnberg-Leutstetten, bezeichnete er als „Suche nach der Wahrheit“. Und oft hat er gesagt: „Diese Staatslüge geht mir nicht mehr aus dem Kopf“.

Zu Ehren des unvergeßlichen Monarchen gründete Albert Widemann am 17. November 1957 den „Verein zur Wiedererrichtung eines Denkmals für König Ludwig II. von Bayern e.V.“, der dann später, nach der Enthüllung des großen Ludwig II.-Denkmals in Münchens „Maximiliansanlagen“ am 28. Mai 1967, in „König Ludwig II.-Denkmalsverein München-Starnberg e.V.“ umbenannt wurde. Der Sinn und Zweck dieses Vereins war und ist in erster Linie darin zu sehen, die Denkmalswürdigkeit Ludwigs II. stets unter Beweis zu stellen und die Heimatpflege und Heimatkunde im Sinne dieses Königs zu fördern. Darüberhinaus hat sich der Verein die wichtige Aufgabe auferlegt, gegen Verunglimpfungen König Ludwigs II. von Bayern mit Wort und Tat einzuschreiten.
In der im Jahre 1960 von Albert Widemann verfaßten Dokumentation „Ein Denkmal für den König“ lesen wir: „Solange es noch der Brauch ist, großen Männern der Geschichte Denkmäler aus Erz oder Stein zu errichten, darf auch dasjenige des Mannes nicht fehlen, ‚dessen Wollen und Streben München und Bayern viel mehr verdankt, als die Geschichtsbücher wahrhaben wollen!“
In einer Gedenkansprache zur Feierstunde anläßlich des 140. Geburts- und Namenstages König Ludwigs II. am 24. August 1985 vor dem großen Ludwig II.-Denkmal in den „Maximiliansanlagen“ in München, richtete Albert Widemann den leidenschaftlichen Apell an den bayerischen Landtag und an das Königliche Haus Wittelsbach, doch dafür Sorge zu tragen, dass das Bild Ludwigs II. in den Geschichts- und Schulbüchern, als auch in der Lexika, korrigiert werde, um somit den König endlich im wahren Licht erscheinen zu lassen.

Ich habe Herrn Albert Widemann am 22. Juli 1986 erstmals im Starnberger Hotel Bayerischer Hof, gemeinsam mit der Studienprofessorin Dr. Isa Brand, getroffen und somit persönlich kennengelernt. In einem mehrstündigen Gespräch hat sich der Ludwig-Forscher mir gegenüber zu allen Fragen umfangreich geäußert. Ich hatte sofort den Eindruck, dass der Forscher über ein sehr großes Wissen zur bayerische Geschichte verfügen mußte. Albert Widemann erzählte mir beispielsweise, dass sein Interesse an Ludwig II. schon in frühester Jugend dadurch geweckt wurde, dass er von seinem Vater ein Heft mit dem Titel: „Königreich Bayern 1806-1906 - Eine Festschrift für die Jugend“ (von Hofrat Dr. Hans Reidlbach) erhielt. „In diesem Heft“, so schildert Albert Widemann, „waren beispielsweise 4 Könige abgebildet, Ludwig II. erschien mir sofort als der schönste. Später, als ich lesen lernte, erkannte ich die human-soziale Gesinnung dieses Monarchen. Von Jahr zu Jahr wuchs dann mein Interesse an dem letzten verfassungsgemäß korrekten Kronenträger Bayerns. Immer größeren Einblick gewann ich dann in das Leben und Wirken dieses Königs, als ich das Glück hatte, eine Nachbildung (im Maßstab 1:1000) der Bayerischen Königskrone anläßlich eines ‚Festzuges im Juli 1952 in Starnberg mitgestalten zu dürfen; meine Mitarbeit galt als ein Beitrag unseres ‚königlichen Dorfes’ Leutstetten.
1953 lernte ich dann den wissensreichen Ludwig Berg-Bauer, den Gründer der ‚Vereinigung dem Gedenken König Ludwig II. von Bayern’ kennen; er gab mir zur Kenntnis, dass Ludwig II. erschossen wurde.
Diese und alle anderen glaubhaften Informationen regte mein Interesse über das wahre Wesen, Wollen und Wirken des in aller Welt bekannten Königs verstärkt an. Und somit beschloß ich nun, über Ludwigs mysteriöses Ende intensiv zu forschen.
Des öfteren habe ich dann Herrn Widemann getroffen - und besucht habe ich ihn auch in seinem Schusterhäusl; besonders beeindruckt hat mich da immer sein großes Ludwig II.-Archiv. Bis zum Dach des Hauses war alles voll gestopft mit Büchern und Akten. Die zunächst auf den Gast wirkende „Unordnung“ war aber eine große Ordnung. Herr Widemann fand sofort das Schriftstück, das er haben wollte. Ja, und bei ihm, wo man die vielen Bücher noch erschnuppern konnte, fühlte man sich so richtig wohl.
In den folgenden Jahren entwickelte sich eine gute Zusammenarbeit - und so stellte Herr Widemann mir wertvolle Ludwig II.-Materialien für meine Bücher „Auf den Spuren des Märchenkönigs“ und „Wurde Ludwig II. erschossen?“ zur Verfügung. -

Anläßlich des 100. Todestages von König Ludwig II. am 13. Juni 1986 fand im Festsaal des Undosa-Seerestaurants in Starnberg am 29. Juni 1986 eine Gedenk-Matinee statt. Veranstalter war der „König Ludwig II.-Denkmalsverein, München-Starnberg e.V.“ unter dem Vorsitz von Albert Widemann.
Starnbergs Bürgermeister Heribert Thallmair wünschte dem Vorsitzenden des Vereins die Kraft und den Willen, das Leben Ludwigs weiter zu erforschen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit kundzutun, „damit das Bild Ludwigs nicht im Klischee stecken bleibt“.
Anschließend schilderte Albert Widemann in seiner Ansprache das facettenreiche Leben des Bayernkönigs. Seine Schlußworte: „Wir suchen nicht nach Schuldigen, sondern wir wollen Ludwig vom Odium, ein Mörder und Selbstmörder gewesen zu sein, befreien“.
„Was Widemann in seinem engagierten Reden immer gelingt“, schreibt der ‚Starnberger Merkur’, „ist, seine Faszination für das Thema Ludwig II. zu vermitteln und jene, die glauben, sich längst die (richtige) Meinung über den Märchenkönig gebildet zu haben, wanken zu machen. Und sei es nur dadurch, dass man ihm seine Ausführungen nicht widerlegen kann...“

Nun, die Ludwig II.-Forschung kann von Glück sprechen, dass wir solch einen wertvollen Menschen in unserer Mitte hatten. Jetzt hat er uns allein gelassen. Und ich glaube, wir dürfen von einer aufrichtigen Trauer sprechen.
Wir haben dem Verstorbenen mehr zu verdanken, als Worte es hier ausdrücken können. Zurück bleibt seine unbestreitbare Leistung. Und dass wir heute mit unseren Forschungsergebnissen zum Tod des Königs einen großen Schritt vorangekommen sind, ist und bleibt das Verdienst des Verstorbenen.

Herr Albert Widemann verstarb nach langem körperlichen Leiden im Caritas-Altenflegeheim St. Michael in Mainburg, nachdem er schon im Jahre 1998 seinen Vorsitz im „König Ludwig II.-Denkmalsverein e.V.“ aus gesundheitlichen Gründen niederlegen mußte. Den Vorsitz übernahm dann Herr Dr. Johannes Timmermann aus München.
Herr Dr. Timmermann teilte mir mit, dass er und eine Abordnung des Vereins noch den 90. Geburtstag Widemanns in Mainburg gefeiert hätten; vom Tode aber schon gezeichnet, hätte sich der Ludwig-Forscher darüber erkennbar gefreut.
Albert Widemanns Leichnam wurde eingeäschert, und die Urne wurde im September 2004 im Familiengrab bei Gut Rieden unter Anteilnahme eines kleinen Kreises von Verwandten und Freunden feierlich und ergreifend beigesetzt; die Ansprache in der Kapelle mit einer Darstellung der Biographie und des Lebenswerkes von Albert Widemann - und über das hinaus, was er im Verein geleistet hat, hielt Dr. Johannes Timmermann.

Lieber Albert Widemann, wir werden Dir ein treues und ehrendes Andenken bewahren. Ruhe in Frieden.


Copyright@ 14. April 2005 by Peter Glowasz Verlag, Berlin

 Ludwig II.-Forschung
 Aktuelle Beiträge von
 Peter Glowasz
 mehr
 

 
 

 L-II.-Aufenthaltsorte
 - Brunnenkopfhaus
 - Hochkopfhütte
 - Hundinghütte
 - Plansee
 - Roseninsel
 - Soiernhäuser
 - alle Orte

 
 
 

© 2005 by König-Ludwig-Zwei.com | Alle Rechte vorbehalten! | Kontakt & Impressum | nach oben