Wo einst
König Ludwig II. von Bayern
Schach spielte

von
Peter Glowasz

Damals, am 22. Juli 1986 traf ich mich mit der Fremdenführerin, Reiseleiterin und Buchautorin Beatrice Eisert erstmalig zu einem längeren Gespräch in München.
Nun, es war ein sehr interessantes Gespräch. Und sie erzählte mir, daß sie die Tochter des kgl. Hofzahnarztes Prof. Dr. Adolf Eisert sei, der im Jahre 1936 eine Starnberger Villa auf dem Grundstück Ludwig- Ecke Maximilianstraße erworben hatte.
Prof. Dr. Eisert hatte diese Villa von dem Sohn des Hofrats und Bezirksarztes Dr. Rudolf Magg (1845-1921) erstanden, der seinerzeit mit König Ludwig II. in diesem Haus stets Schach spielte. Die Villa war damals noch kleiner, Prof. Eisert hat sie später vergrößern lassen.
Der König kam immer mit seinen vierspännigen Schimmeln von Schloß Berg herübergefahren - und der gegenüberwohnende Korbmacher namens Stamm konnte hören, wie der König auf die zahlreichen Verbeugungen des Bezirksarztes Magg antwortete: »Laß’ gut sein, Magg, ich liebe die Zeremonie nicht!« Ludwig II. war zu dieser Zeit etwa 25 bis 35 Jahre alt.
Nun, für den schachspielenden Arzt Dr. Rudolf Magg mag dann wohl die spätere entsetzliche Nachricht vom Tod des Königs besonders schmerzlich gewesen sein.
In meinen Büchern habe ich auch hinreichend darüber berichtet, daß Dr. Magg am 14. Juni 1886 beauftragt wurde, die Äußere Leichenschau seines doch so geschätzten toten Königs am Starnberger vorzunehmen. Dr. Magg mußte nämlich ein Leichenschauprotokoll fertigen, wobei er vom Ministerium gezwungen wurde, falsche Angaben über die Todesursache des Königs zu protokollieren. Diese lügnerischen Angaben müssen wohl den Arzt bis an sein Lebensende sehr geplagt haben. Erst auf dem Sterbebett am 8. Oktober 1921 wollte Dr. Magg endlich sein Gewissen erleichtern, weil er, so der Sterbende Dr. Magg, vor Gott nicht als Lügner gegenüberstehen wollte. So diktierte er also seiner Tochter Anna die Wahrheit in die Feder, daß Ludwig II. tatsächlich durch furchtbare Schußverletzungen am Rücken getötet wurde. Darüber gibt es einen Beleg, insofern ein unschätzbarer Wert für die Ludwig II.-Forschung. -

Prof. Eisert starb im Jahre 1950. Später, im Jahre 1957, hat die Mutter von Beatrice Eisert die Villa aus Altersgründen verkauft.
Voller Entsetzen erfuhr Beatrice Eisert dann später, daß diese, für die Ludwiggeschichte doch so wertvolle Villa abgerissen wurde. Diese Villa hätte man unter Denkmalschutz stellen müssen! Stattdessen wurden dort zwei große Wohnblocks gebaut, die heute noch vorhanden sind.


Die Original-Starnberger Villa in der Ludwig- Ecke Maximilianstraße;
hier spielte König Ludwig II. mit dem Arzt Dr. Rudolf Magg oftmals Schach.

Beatrice Eisert, die in München geboren wurde, später in der Starnberger Villa aufwuchs und dort auch zur Schule bis zum Abitur ging, wurde zunächst zur Fremdsprachensekretärin ausgebildet. Anschließend folgte ein Sprachstudium in Paris und London. Dann wurde sie zur staatlich geprüften Fremdenführerin ausgebildet - und war fortan als internationale Reiseleiterin für Amerikaner tätig.
Für Beatrice Eisert war es ein abwechslungsreiches, erfülltes Leben; sie unternahm viele Flug- und Schiffsreisen und hatte somit über viele Jahre hinweg das Glück, fast die ganze Welt kennenzulernen.
Heute lebt Beatrice Eisert völlig zurückgezogen in einer kleinen Wohnung in München. Gelegentlich unternimmt sie noch einen Ausflug nach Starnberg - und voller Wehmut blickt sie dann auf den Platz, wo einst ihr Elternhaus stand, in dem sie wohlbehütet und glücklich aufwuchs.
Von Beatrice Eisert erschien im Jahre 1979 die Broschüre »Ludwig II. - Leben, Wirken, Sterben« (Verlag Wilhelm Unverhau, München).


Neu im König Ludwig II.-Internet:

Jeder König-Ludwig II.-Interessierte hat jetzt die Möglichkeit, an einer weltweiten Abstimmungs-Aktion Ein Herz für den Märchenkönig im Internet teilzunehmen; die Adresse lautet:

www.ludwig-zwei-forschung.de

Wenn auch Sie erfahren wollen, wodurch Ludwig II. tatsächlich ums Leben kam - und wenn auch Sie wollen, dass die regierungsamtliche Mörder- und Selbstmörder-Version von 1886 nun endlich ihre Gültigkeit verliert, dann beteiligen Sie sich bitte an dieser Aktion. Diese Aktion wäre der erste und wohl einzige Schritt zu einer möglichen Aufklärung. Geben Sie also der Gerechtigkeit eine Chance - haben Sie ein Herz für den Märchenkönig.


Copyright@ September 2007 by Peter Glowasz Verlag, Berlin

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