Im Anschluß an die Feierlichkeiten wurde der Mahagonisarg in die prachtvoll dekorierte Fürstengruft getragen.
In der Gruft stand im abgegrenzten Altarraum ein bereits geöffneter bräunlicher, vergoldeter Zinksarg zur
Aufnahme des Mahagonisarges mit dem Leichnam Ludwigs II. bereit.
Erzbischof Antonius von Steichele nahm das feierliche Begräbnis vor. Nach Verrichtung der letzten Gebete in der
Mitte des Altarraumes der Gruft wurde dann der Mahagonisarg in den Zinksarg eingelegt und dieser gemäß Protokoll
vom 19. Juni 1886 am Kopf- und Fußende von Staatsminister Krafft Freiherr von Crailsheim doppelt versiegelt und
mit zwei Schlössern verschlossen; später wurde dann der Zinksarg luftdicht verlötet.
Erst am 22. Oktober 1886, nach Vollendung der notwendigen baulichen Vorarbeiten in der Königsgruft, erfolgte
dann die Umbettung des einbalsamierten Leichnams Ludwigs II. in den von Rößler geschaffenen Zinnsarg (Sarkophag).
In der Fürstengruft der im Jahre 1597 fertiggestellten und eingeweihten Sankt-Michaels-Hofkirche (später genannt:
Sankt Michaelskirche) in der Neuhauser Straße in München fand Ludwig II. seine letzte Ruhestätte.
Ein Bombenangriff am 25. November 1944 zerstörte die Sankt Michaelskirche fast völlig. Die Trümmer überschütteten
auch die Wittelsbacher Fürstengruft, so daß Teilflächen in der Gruft ebenfalls erheblich beschädigt wurden.
Nun, der Sarkophag Ludwigs II. war ja in seiner Geschichte recht unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt und
hat, wie schon erwähnt, erhebliche Kriegsschäden erlitten; eine genaue Aussage über eine mögliche Entstehung
oder Ursache eines bestimmten Schadens wäre n u r durch eine chemische Analyse des Materials aus der suspekten
Stelle möglich bzw. aufschlußreich, wozu die Erlaubnis der Entnahme einer kleinen Probenmenge notwendig wäre.
Eine nachträgliche Lötnaht könnte durch einen Vergleich des verwendeten Lötmaterials aus der fraglichen Schadstelle
mit demjenigen aus Nähten nachgewiesen werden, die eindeutig aus der Herstellung stammen. Schädigungen von innen,
ohne erkennbare Außeneinwirkung, wären eigentlich nur nach Fehlern bei der Bestattung überhaupt denkbar, eigentlich
nur vorstellbar, wenn derartige Fälle von anderen Sarkophagen bekannt wären.
Äußerlich sichtbare Schadstellen können aufgrund der Geschichte unterschiedliche und auch recht plausible
Ursachen haben. Dazu reicht zum Beispiel ein längerer Kontakt mit einem Eisenteil in feuchter Umgebung; sind
nämlich zwei verschiedene Metalle über eine leitende wäßrige Lösung verbunden, bildet sich eine galvanisches
Element (wie zum Beispiel in einer Batterie). Dadurch können starke Korrosionsschäden bis hin zu Löchern
entstehen. Ohne Kenntnis der genauen Umstände läßt sich jedoch leider nichts aussagen.
Fotoaufnahmen helfen auch hier alleine überhaupt nicht weiter; ungünstige Lichtverhältnisse oder entstandene
kleine Schlagschatten auf dem Foto lassen Schadstellen unter Umständen nicht erkennen, könnten umgekehrt sogar
nicht vorhandene vortäuschen. Auch bei klar erkennbaren Schädigungen, die im Material liegen, gibt eine
fotografische Wiedergabe nur oberflächlich Auskunft, nicht jedoch darüber, was darunter liegt.
Insofern sind Fotoaufnahmen zur Aufklärung eventuell stattgefundener Vorgänge am Sarkophag Ludwigs II. als
Beweismittel völlig unzureichend.
Analysen zur Zusammensetzung einer bestimmten Masse, die nach Kriegsende, also erst
nach 1944/1945, vermutlich
für Reparaturen am Sarg verwendet wurde, sind von einem B i l d allein nicht möglich. Auch die Farbe einer
Substanz (Masse bzw. Material für Reparaturen) kann nur Vermutungen zulassen, ein Foto erlaubt jedoch noch
nicht einmal eine zuverlässige Aussage über den Feuchtigkeitsgehalt; lediglich entstandene Rißbildungen an
der reparierten Stelle des Sarges können auf Austrocknung einer verwendeten Masse rückschließen lassen, mehr
nicht.
Auf folgendes möchte ich besonders aufmerksam machen: Die nach Kriegsende vermutlich durchgeführte Reparatur
zur Beseitigung undichter Stellen am Unterboden des Sarkophags läßt nach neuesten Recherchen durchaus heute
den Schluß zu, daß es sich dabei um Korrosionsschäden gehandelt hat, also Löcherbildung. Die Ursache dieser
Schäden ist wahrscheinlich auf das Leichenwasser zurückzuführen; der Mensch besteht ja zu rund 2/3 aus Wasser
– und so müssen etwa 50 Liter Wasser irgendwo verbleiben. Und dieses Wasser ist alles andere als rein zu
bezeichnen, es enthält Stoffwechsel- und Fäulnisprodukte, die somit nach vielen Jahren eine Korrosion
begünstigen können. Wenn ein unedles Metall mit (möglicherweise saurer) wäßriger Lösung zusammen kommt,
sind die Voraussetzungen für eine Korrosion nach Durchsickern des Leichenwassers immer gegeben. Für die
Untersuchung der unterschiedlichen Zusammensetzung des Leichenwassers wäre ein Pathologe zuständig. (Mehr
dazu im Buch: „Herrlichkeit und Tragik eines Märchenkönigs“).
Im Jahre 1952 , nachdem die neuen Bodenplatten gelegt wurden, ließ Kronprinz Rupprecht von Bayern in der
Fürstengruft auch wieder alles andere instandsetzen; den Wittelsbacher Hausarchivar Hans Rall beauftragte
er, mit ihm die Aufstellung und Anordnung der Särge neu durchzuführen. Gegenüber dem Altar in der Gruft
liegt König Ludwig II., der heute volkstümlichste und bekannteste Wittelsbacher; ihm allein verdankt Bayern
sein Ansehen in der Welt.
Nun, an dieser Stelle möchte ich ausdrücklich klarstellen: Der Sarkophag König Ludwigs II. von Bayern ist
n i c h t l e e r ! Dies ergaben meine neuesten Recherchen.
Sensationsgeschichten, wie beispielsweise: der König würde ja überhaupt nicht im Sarkophag liegen ... –
sind schlichtweg unseriös bzw. frei erfunden.
Die eindeutige und absolut sichere Bestätigung dafür, daß sich Ludwig II. tatsächlich im Sarkophag befindet,
liegt mir seit dem Jahr 2004 – nach langer, mühevoller Forschungsarbeit – vor. Unter anderem berichtet ein
Architekt ausführlich, daß er den Leichnam Ludwigs II. im Sarkophag gesehen hat; in allen Einzelheiten
schildert er seine Eindrücke – und vor allem: er berichtet genau, was er gesehen hat. In meinem neuesten
Buch: „Herrlichkeit und Tragik eines Märchenkönigs“ ist der vollständige Bericht des Architekten und vieles
mehr nachzulesen. Dazu wünsche ich schon jetzt spannende Unterhaltung.