Seine Angehörigen wie sein Volk und vor allem seine Minister
verkannten ihn, konnten seine schwärmerische Vorliebe für das Alpenland,
sein ungewöhnliches Interesse für französische Literatur und die
Begeisterung für Tonkompositionen
Wagners nicht begreifen. Dabei
war Ludwig nicht nur ein romantisch veranlagter Fürst, der seine Träume
zu verwirklichen wusste, sondern ebenso ein intellektueller belesener
Mann, der sich doch der Vorzüge des ihm so sehr verhassten Zeitalters
bediente, ihr zuweilen sogar weit voraus war. Die u.a. im äußerst
zweifelhaften ärztlichen Gutachten aufgeführten
"Absonderlichkeiten", "Wahnvorstellungen", "Seelengestörtheit"
und "homoerotischen Neigungen",
über deren Wahrheit fortwährend ohne Resultate spekuliert wird, wurden
der friedliebenden Majestät schließlich 1886 zur Last gelegt. Wie klar
Ludwig, der durchaus seine Eigenheiten hatte, jedoch bei Verstande war,
belegen seine Worte:
" ... Es wird oft hämisch angedeutet oder sogar
offen erklärt, ich sei ein Narr. Vielleicht bin ich es, aber ich zweifle
daran..." Eines jedoch ist gewiss: Ludwig II. war ein liebenswürdiger
König!