Die Folge: Die Gesellschafter um die Schwangauer Gräfinnen Pocci, die Kemptener Unternehmerfamilie Döbler und
bis April 2006 die Wiesbadener Familie Fischer mussten immer wieder Geld zuschießen. Einer aus dem Kreise der
Verantwortlichen sagte: „Es hat im Laufe der Zeit so viele Kapitalerhöhungen gegeben, dass man über die Anzahl
gar keinen Überblick mehr behielt.“
Im Dezember und Januar musste man sich mit Bankkrediten behelfen, um ausstehende Rechnungen und Gehälter
bezahlen zu können. Und das, obwohl die Gesellschaftergruppe von Anfang an selbstbewusst verkündet hatte:
„In dem Projekt steckt nur unser eigenes Geld.“ Letztlich sollen es insgesamt 25 Millionen Euro gewesen
sein, die die Gesellschafter in das Projekt Musical investierten. Ein Engagement, das sich schließlich auch
für die finanzkräftigen Investoren als Fass ohne Boden erwies; zumal sich eine Rendite mittelfristig nicht
abzeichnete. Am Donnerstag konnte und wollte die zweite Generation der Musical-Macher in Füssen nicht mehr.
Dabei hatte es Anfang 2004 mit der Unterzeichnung des Kaufvertrages für Theatergebäude und Grundstück so
hoffnungsvoll begonnen. Die Tourismusverantwortlichen in der Region und vor allem im Ostallgäu atmeten auf.
Man beglückwünschte die zum größten Teil aus Einheimischen bestehende Investorengruppe zu ihrem
unternehmerischen Mut - und hoffte auf mehr Gäste in der Region durch den Magneten Musical. Mit den
neuen Machern zog auch ein Geist von Hollywood in das Haus am Forggensee ein. Für das selbst produzierte
Stück gelang es, Größen wie Michael Curry (Bühnenbild), Schauspielerin Geraldine Chaplin, Nic Raine (Musical
Director) oder Conall Morrison (Regie) zu verpflichten. Dazu mit Konstantin Wecker als Komponisten einen
weiteren großen Namen. Die viel beachtete Premiere des Stückes Ludwig2 im März 2005 erhielt denn auch
überwiegend wohlwollende Kritiken.
Im ersten Jahr lagen zwar die Zuschauerzahlen auch unter den Erwartungen der Verantwortlichen, aber das
Theater blieb wenigstens von öffentlichen Querelen verschont. Das änderte sich im Frühjahr 2006 mit
Absetzung des auch als Geschäftsführer fungierenden Produzenten Gerd Fischer. Dessen Nachfolger Ulrich
Schwab zerstritt sich nach nur zwei Monaten derart mit den Gesellschaftern, dass er wieder abgelöst wurde.
Schwab wollte das Musical bundesweit bewerben und forderte einen deutlich höheren Werbe-Etat. Die
Gesellschafter lehnten dies ab. Der damalige König-Ludwig-Darsteller Jan Amman kritisierte öffentlich
die Marketing-Abteilung des Hauses und sagte zu dem in den Medien ausgetragenen Streit: „Wir sind Profis
auf der Bühne, warum stellt man keine Profis hinter den Kulissen ein?“
In dieser Episode zeigte sich bereits eine Kernproblematik des Hauses, die auch der auf Schwab folgenden
Geschäftsführer Karlheinz Zierold nicht zu lösen vermochte. Es gelang nicht, eine Werbestrategie zu
entwickeln, die sich in einem höheren Ticketverkauf für das auch von Experten gelobte Produkt niederschlug.
Zierold nahm Abstand vom Konzept des reinen Musical-Theaters und setzte auf Sonderveranstaltungen. An den
niedrigen Zuschauerzahlen änderte dies nichts. Im November und Dezember vergangenen Jahres bewegte sich die
Auslastung zwischen 20 und 30 Prozent. Die Gesellschafterseite vertrat dennoch die Meinung, das Theater sei
nicht zu bewerben, und schon gar nicht außerhalb der Region. Man schob die niedrige Auslastung auf die
Abhängigkeit von den Urlaubern im Allgäu - und hoffte auf ein Greifen der von Zierold eingeleiteten
Umstrukturierung.
Nun stellte sich heraus, das sich nur eines bewahrheitete. Ein Sprichwort nämlich, und das lautet: Die
Hoffnung ist der Tod des Kaufmanns.
Der Bericht ist auf www.augsburger-allgemeine.de nachzulesen.