Aus für das zweite Füssener Ludwig-Musical
Von Hoffnung, Enttäuschung und dem langsamen Ende
von Dirk Ambrosch, Füssen
(www.augsburger-allgemeine.de).

Wenige Monate nach der Premiere von Ludwig2 sagte der Produzent und damalige Musical-Gesellschafter Gerd Fischer in einem Interview den folgenden schönen Satz: „Wenn die Götter gerecht sind, belohnen sie uns mit fünf Jahren. Mindestens.“ Gemeint war die Laufzeit des Füssener Stückes. Nun gönnten - wenn sie denn dafür verantwortlich sind - die Götter dem zweiten Musical in Füssen nicht einmal ganze zwei Jahre. Gerecht finden das die Verantwortlichen sicher nicht. Bewahrheitet hat sich aber, was von Gesellschafterseite zuletzt zu hören war. Dass „2007 das Schicksalsjahr für das Musical wird“. Das Schicksal schlug nur schneller zu als erwartet.

Man muss sich gar nicht im Mystischen verlieren, um die Gründe für die zweite Musical-Pleite in Füssen aufzuspüren. Die Formel ist eine einfache: Keine Zuschauer, kein Geld. Ein intimer Kenner des Hauses bezeichnete die Bilanz für 2006 als ein „unendliches Desaster“. Die Auslastung des Theaters lag nach unserer Zeitung vorliegenden Informationen auf das ganze Jahr gerechnet bei unter 40 Prozent, knapp 125 000 Besucher wollten die Vorstellungen sehen. Die Kosten für Personal und Unterhalt des Hauses überstiegen die Einnahmen bei weitem.

Die Folge: Die Gesellschafter um die Schwangauer Gräfinnen Pocci, die Kemptener Unternehmerfamilie Döbler und bis April 2006 die Wiesbadener Familie Fischer mussten immer wieder Geld zuschießen. Einer aus dem Kreise der Verantwortlichen sagte: „Es hat im Laufe der Zeit so viele Kapitalerhöhungen gegeben, dass man über die Anzahl gar keinen Überblick mehr behielt.“

Im Dezember und Januar musste man sich mit Bankkrediten behelfen, um ausstehende Rechnungen und Gehälter bezahlen zu können. Und das, obwohl die Gesellschaftergruppe von Anfang an selbstbewusst verkündet hatte: „In dem Projekt steckt nur unser eigenes Geld.“ Letztlich sollen es insgesamt 25 Millionen Euro gewesen sein, die die Gesellschafter in das Projekt Musical investierten. Ein Engagement, das sich schließlich auch für die finanzkräftigen Investoren als Fass ohne Boden erwies; zumal sich eine Rendite mittelfristig nicht abzeichnete. Am Donnerstag konnte und wollte die zweite Generation der Musical-Macher in Füssen nicht mehr.

Dabei hatte es Anfang 2004 mit der Unterzeichnung des Kaufvertrages für Theatergebäude und Grundstück so hoffnungsvoll begonnen. Die Tourismusverantwortlichen in der Region und vor allem im Ostallgäu atmeten auf. Man beglückwünschte die zum größten Teil aus Einheimischen bestehende Investorengruppe zu ihrem unternehmerischen Mut - und hoffte auf mehr Gäste in der Region durch den Magneten Musical. Mit den neuen Machern zog auch ein Geist von Hollywood in das Haus am Forggensee ein. Für das selbst produzierte Stück gelang es, Größen wie Michael Curry (Bühnenbild), Schauspielerin Geraldine Chaplin, Nic Raine (Musical Director) oder Conall Morrison (Regie) zu verpflichten. Dazu mit Konstantin Wecker als Komponisten einen weiteren großen Namen. Die viel beachtete Premiere des Stückes Ludwig2 im März 2005 erhielt denn auch überwiegend wohlwollende Kritiken.

Im ersten Jahr lagen zwar die Zuschauerzahlen auch unter den Erwartungen der Verantwortlichen, aber das Theater blieb wenigstens von öffentlichen Querelen verschont. Das änderte sich im Frühjahr 2006 mit Absetzung des auch als Geschäftsführer fungierenden Produzenten Gerd Fischer. Dessen Nachfolger Ulrich Schwab zerstritt sich nach nur zwei Monaten derart mit den Gesellschaftern, dass er wieder abgelöst wurde.

Schwab wollte das Musical bundesweit bewerben und forderte einen deutlich höheren Werbe-Etat. Die Gesellschafter lehnten dies ab. Der damalige König-Ludwig-Darsteller Jan Amman kritisierte öffentlich die Marketing-Abteilung des Hauses und sagte zu dem in den Medien ausgetragenen Streit: „Wir sind Profis auf der Bühne, warum stellt man keine Profis hinter den Kulissen ein?“

In dieser Episode zeigte sich bereits eine Kernproblematik des Hauses, die auch der auf Schwab folgenden Geschäftsführer Karlheinz Zierold nicht zu lösen vermochte. Es gelang nicht, eine Werbestrategie zu entwickeln, die sich in einem höheren Ticketverkauf für das auch von Experten gelobte Produkt niederschlug. Zierold nahm Abstand vom Konzept des reinen Musical-Theaters und setzte auf Sonderveranstaltungen. An den niedrigen Zuschauerzahlen änderte dies nichts. Im November und Dezember vergangenen Jahres bewegte sich die Auslastung zwischen 20 und 30 Prozent. Die Gesellschafterseite vertrat dennoch die Meinung, das Theater sei nicht zu bewerben, und schon gar nicht außerhalb der Region. Man schob die niedrige Auslastung auf die Abhängigkeit von den Urlaubern im Allgäu - und hoffte auf ein Greifen der von Zierold eingeleiteten Umstrukturierung.

Nun stellte sich heraus, das sich nur eines bewahrheitete. Ein Sprichwort nämlich, und das lautet: Die Hoffnung ist der Tod des Kaufmanns.

Der Bericht ist auf www.augsburger-allgemeine.de nachzulesen.


Stand: 14. März 2007

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