FRITZ  OSTERHOLZER
Fritz Osterholzer, Leibkutscher / Photographie von 1886, Quelle: Hausner Hermann M., Ludwig II. von Bayern, 1961
Der im Jahre 1854 geborene Fritz Osterholzer trat im Alter von 28 Jahren den Dienst beim König an. Sein Onkel, Sebastian Osterholzer, der bis 1882 Leibdiener und Kutscher bei Ludwig II. war (er starb 1910 mit achtzig Jahren), brachte seinen Neffen an seine Stelle. Am frühen Morgen des 10. Juni 1886 gegen ein Uhr war Osterholzer damit beschäftigt, die Pferde an den Wagen des Königs, der ausfahren wollte, zu spannen.
Von Oberststallmeister Graf von Holnstein – er gehörte der „Fangkommission“ an, die nach der Übernahme der Regentschaft durch Prinz Luitpold den bereits durch ein Gutachten entmündigten und für irrsinnig erklärten König in Gewahrsam nehmen sollte – erhielt er die Weisung auszuspannen. Als Osterholzer sich jedoch auf den königlichen Befehl berief, entgegnete ihm der Graf: „Der König hat überhaupt nichts mehr zu befehlen, sondern nur Seine Königliche Hoheit, Prinz Luitpold.“ Diese Äußerung veranlaßte ihn, dem König unter allen Umständen Meldung zu erstatten, und so rannte er auf einem Waldpfad in Windeseile zur ´Neuen Burg Hohenschwangau´ hinauf, wo er ins Zimmer des Königs stürzte und sich diesem vor die Füße warf. Osterholzer bot sich an, bei einer Flucht behilflich zu sein, doch Ludwig sagte nur: „Ist gut Osterholzer. Du bist halt ein Treuer. Aber es geht nicht.“ Als der König zwei Tage später das Schloss verlassen musste, soll er geäußert haben: „Behandelt Osterholzer gut, er verdient Belohnung.“ Der Wunsch Ludwigs II. wurde nicht erfüllt – Osterholzer wurde nach dem Tode des Königs aus dem Dienst entlassen, fand jedoch bei den Fürsten von Thurn und Taxis eine neue Anstellung.

 

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