KÖNIG  OTTO  I.
König Otto I.
Der einzige Bruder Ludwigs II., wurde am 27. April 1848, geboren und auf den Namen Otto Wilhelm Luitpold Adalbert getauft. Äußerlich – mit blonden Haaren und einer mittelgroßen Figur – und in seinem ganzen Wesen unterschied er sich wesentlich von seinem Bruder und war teilweise nach der Mutter geartet. Otto liebte die Jagd, die Ludwig verabscheute, und begann 1864 seine militärische Laufbahn im Kadettenkorps.
Vom Naturell ein leichter, heiterer, lebhafter und geselliger Mann, hatte er eine Vorliebe für das Ballett und hielt sich „viel in Gesellschaft meiner flachen, geistlosen Vettern“ auf, wie sich Ludwig II. 1866 äußerte. Seit 1871, dem Jahr der Reichsgründung, stellte man Otto, bei dem bereits 1865 nervöse Unruhe- und Angstzustände zu Tage kamen, in Schloss Nymphenburg unter ärztliche Beobachtung. Trotz der fortgeschrittenen Nervenerkrankung gab es immer wieder öffentliche Auftritte bis zur dauerhaften Internierung 1880 in Schloss Fürstenried. Den Prinzen behandelten Dr. Bernhard von Gudden sowie dessen Assistent Dr. Franz Carl von Müller, die 1886 das Gutachten über Ludwigs II. angebliche Geisteskrankheit erstellten und damit sein Todesurteil fällten. Da es Otto unmöglich war, die Regentschaft nach dem Tod seines Bruders zu übernehmen, wurde Prinz Luitpold als nächstberechtigter Agnat dazu berufen. Am 11. Oktober 1916 – inzwischen war Prinz Ludwig, der älteste Sohn von Luitpold, König – starb Otto in Schloss Fürstenried, und fand seine letzte Ruhestätte in der Gruft der Michaels-Kirche zu München.

 

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