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„Das Königshäuschen in der Halbammer“
(28. Juli 2003)
von Helmut Schöttner
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Halbammertal
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Eine der zahlreichen Berghütten von König Ludwig II. befand sich beim Wilden Jäger, südlich des Halbammertals.
Die Halbammerhütte gehörte zu den vom König regelmäßig besuchten Aufenthaltsorten.
1)
Thomas Osterauer, ein Diener König Ludwigs, berichtet hierzu: „ ... Vom Pürschling kamen wir in die Halbammer.
Hier sah es wirklich aus, als wenn die Welt mit Brettern vernagelt wäre. Von hohen Bergen umzäunt, war in einer
Mulde das Königshäuschen, die Küche und Stallung. Außer uns war nur noch ein Kohlenbrenner namens Sanktjohanser da.
Dieser Sanktjohanser hatte die Ehre, dass er mit dem König verkehren durfte, er war ein alter Junggeselle. Es war
beabsichtigt, eine italienische Nacht zu veranstalten, aber ein kommendes Gewitter vereitelte es. Es kam ein
Wolkenbruch. Die sonst so kleine Halbammer wurde zum reißenden Fluß, die Straße nach Unterammergau wurde
fortgerissen. Ein Postillon, der gerade auf der Straße war, wurde vom Wasser fortgerissen und fand samt Pferd den
Tod. Da nur ein Ausweg da war, mussten wir hinten bleiben, bis eine Straße hergestellt war. Dann ging´s wieder
nach Linderhof, von da dann auf den Schachen ...“.
2)
Der Sommerurlaub in diesem Jahr bietet uns die Gelegenheit, das Halbammertal kennenzulernen. Auf der Bundesstraße
23 fahren wir von Unterammergau in Richtung Saulgrub, biegen links nach Altenau ein, und weiter geht´s auf der
Königstraße nach Unternogg.
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Königsstraße nach Unternogg
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Vor uns breitet sich eine Landschaft wie aus dem
Bilderbuch aus: Blühende Wiesen, bestanden mit einzelnen alten Laubbäumen, weidende Kühe und Pferde, dazwischen
eingegrenzt von Weidezäunen das schmale Band der alten Teerstraße und im Hintergrund die hohen Wände der Berge unter
einem sonnenüberfluteten und tiefblauen Himmel.
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Ehemaliges Forsthaus Unternogg
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Am Ausgang des kleinen Weilers Unternogg
entdecken wir das ehemalige Forsthaus, in dem der König auf seinem Weg in die Halbammer oder nach Hohenschwangau
desöfteren Rast hielt. Heutzutage ist das Haus umgebaut und beherbergt eine Gastwirtschaft. Von dort aus gelangen
wir nach ein paar hundert Metern an den Wanderparkplatz zum Halbammertal. Wir sind am Ziel, stellen das Auto ab
und schultern die Rucksäcke. Los geht´s.
Es ist früher Vormittag, als wir uns auf der gut ausgebauten Schotterstraße auf den Weg machen. Die Forststraße
windet sich nur unmerklich steigend bergan und im Schatten der Bäume ist es angenehm kühl, sodass wir die Hitze des
Sommertags kaum spüren. Das Rauschen der Halbammer begleitet unseren Weg. Nur ab und zu begegnen wir einem Wanderer
oder Radfahrer.
Nach einer halben Stunde kreuzt die Halbammer und tost eine kurze Strecke links neben dem Weg. Von der Brücke aus
fällt unser Blick auf das mehrfarbige Schichtgestein, dass wie eine Barriere im Wildbach liegt. Im Laufe der
Jahrtausende haben sich die Wassermassen nur mühsam einen Weg hierdurch gebahnt.
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Schichtgestein
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Die nachfolgende zweite Brücke, unter der die Halbammer dann wieder auf die rechte Seite des Weges wechselt,
trägt den Namen "Ewigkeitsbrücke". Hinter der „Ewigkeitsbrücke“ entdecken wir auf der rechten Seite ein Marterl.
Es bestätigt den Bericht des Dieners Osterauer. Wir lesen, dass an dieser Stelle der Kurier des Königs, Leonhard
Gindhart, bei einem schlimmen Unwetter samt Ross und Wagen verunglückte und in den Fluten der Halbammer ertrank.
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Marterl
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Brunnen
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Eine kurze Wegstrecke weiter gelangen wir zu
einem Brunnen, dessen Wasser von einem morschen Holztrog aufgefangen wird. Wir trinken das klare, kalte Bergwasser
und setzen danach unsere Wanderung mit neuen Kräften fort. Mittlerweile ziehen immer mehr Wolken auf und verdrängen
die Sonnenstrahlen. An den folgenden beiden Weggabelungen halten wir uns links. Der Weg führt immer steiler bergan.
Nach eineinviertelstündiger Wanderung erreichen wir die Hubertuskapelle. Wir haben einhundertvierzig Höhenmeter
bewältigt.
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Hubertuskapelle
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Marienbild
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Ludovicus
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Diensthütte
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Die schmucke Kapelle liegt auf einer kleinen
Anhöhe, rechts davon befindet sich eine Diensthütte. In unserem Wanderführer lesen wir, dass die Hubertuskapelle
im Jahre 1903 auf der Stelle der ehemaligen Halbammerhütte errichtet wurde. Das Fundament des Königshäuschens ist
noch deutlich zu sehen. Wir treten in die Kapelle und tragen uns nach einer kurzen Andacht in das Besucherbüchlein
ein. Auf der Bank vor der Kapelle packen wir unsere Brotzeit aus, während sich das Wetter weiter verschlechtert.
Ein feiner Nieselregen drängt uns zum Aufbruch. Nach über einer Stunde haben wir den Rückweg bewältigt und erreichen
wieder den Parkplatz.
Wir fahren das kleine Stück zum ehemaligen Forsthaus Unternogg und kehren dort wie seinerzeit König Ludwig ein.
In dem neu renovierten Wirtshaus fühlen wir uns dank der angenehmen Atmosphäre gleich wohl. Standesgemäß bestelle
ich mir den „König-Ludwig-Salat“ und im angeregten Gespräch schwärmen wir noch weiter von unserer
„Halbammer-Wanderung“.
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1)
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Besuche der Halbammerhütte durch König Ludwig II. (vgl.
Aufenthaltsübersicht von Dr. Franz Merta, abgedruckt in „König Ludwig II. – Wirklichkeit und Rätsel“ von Prof. Dr.
Hans Rall und Prof. Dr. Michael Petzet, erschienen im Verlag Schnell & Steiner, Regensburg):
02. bis 08. August 1865 (teilweise),
07. bis 09. Oktober 1869,
13. bis 18. Juni 1871 ? (teilweise),
27. bis 28. August 1872,
01. bis 02. September 1873,
07. bis 12. August 1874 (teilweise),
06. bis 15. Juni 1875 (teilweise),
07. bis 16. Juni 1876 ? (teilweise),
26. Juni bis 03. Juli 1877 ? (teilweise),
04. bis 12. Juni 1878 ? (teilweise),
04. bis 11. Juni 1879 (teilweise),
04. bis 12. Juni 1880 (teilweise),
12. bis 15. Juni 1881,
02. bis 04. Juli 1882,
03. bis 06. Juli 1883 ?,
01. bis 03. Juni 1884 ?,
01. bis 03. Juli 1885 ?.
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2)
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Bayer. Heimat, Jg. 12, Heft16, 1931; Beitrag von Thomas Osterauer
„Persönliche Erinnerungen an König Ludwig II.“, S. 125
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Weitere Literatur:
„König Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern & Tirol“
von Mario Praxmarer/Peter Adam, Adam-Verlag, Garmisch-Partenkirchen
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Copyright@ August 2003 by Helmut Schöttner, Untersiemau
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