„Hoch  oben  auf  den  Bergen“
(15. + 16. August 2003)
von Alexandra Schedel

Tage freute ich mich nun schon auf den Tag, an dem ich endlich einmal des Königs „Haus in den Bergen“, das Schachenschlößchen sehen sollte. An dem Freitag stand ich bereits früh auf, da ich es kaum erwarten konnte, endlich nach Garmisch zu fahren, um Ivonne am Bahnhof abzuholen, endlich einmal wieder unterwegs auf den Spuren S. M. König Ludwig II. Kurz bevor ich zu Hause aufbrechen wollte, klingelte mein Telefon. Mein Vater war es, voller Nervosität klang seine Stimme, denn er wollte mit hinauf auf den Schachen wandern, da er ebenfalls nun entdeckte, wie interessant doch dieser Bayernkönig war. So verzögerte sich meine Abfahrt nach Garmisch um ca. eine Stunde. Nun nach einigen Strapazen während der Fahrt, wegen Urlaubsverkehr usw., kamen wir nach über drei Stunden Fahrt endlich in Garmisch am Bahnhof an; Ivonne wartete bereits seit über einer Stunde auf uns.

Nun zuerst einmal entschlossen wir uns nach Partenkirchen zum Denkmal zu fahren, das für unseren König errichtet wurde. Dort angekommen waren wir alle sichtlich enttäuscht, denn dieses Denkmal ist mißlungen; der König wirkt auf diesem Denkmal wie ein Irrsinniger, die Augen blicken starr und weit aufgerissen ins Weite... nun wir hatten uns alle etwas mehr darunter vorgestellt. Daraufhin entschieden wir uns die wunderschöne Partnachklamm zu durchgehen. Der Weg durch die Klamm ist absolut sehenswert und sehr schön; wie faszinierend doch die Natur ist, was für eine gewaltige Macht Wasser hat, sieht man an der ausgespülten Schlucht. Immer wieder zeigen sich faszinierende Wasserschauspiele und für jeden, der die Natur schätzt und deren Schönheit begreift, ist dies unbedingt zu empfehlen anzuschauen.

König Ludwig II.-Denkmal in Partenkirchen
König Ludwig II.-Denkmal in Partenkirchen
Partnachklamm in Partenkirchen
Partnachklamm in Partenkirchen

Nach diesem gigantischen Naturschauspiel ging es dann in das wunderschöne kleine Örtchen Klais, wo wir unsere Unterkünfte hatten, was sehr witzig war; jeder in einer anderen Pension. Wir richteten uns ein wenig her, bevor wir nach Oberammergau aufbrachen, um dort eine Pizzaria aufzusuchen, die ich auch schon aus meinen Schulzeiten in Oberammergau kannte. Nach dieser hervorragenden Stärkung und einem leckeren Becher Eis war unser Programm für den Tag noch nicht beendet; im Halbdunkel fuhren wir noch hinaus in die Ammerwälder, um den Originalplatz der Hundinghütte aufzusuchen. Nun, da es schon sehr dämmerte, hatten wir alle Mühe sie zu finden; für Ivonne war es ein Spaß uns die Grundmauern suchen zu lassen. Doch ich entdeckte sie alsbald und war fasziniert davon, wie man doch durch die Grundmauern immer noch – wenn man seine Phantasie etwas anstrengte – doch die Hundinghütte erkennen konnte. Wie im Traum ging ich hinein – demonstrativ da, wo einmal der Eingang gewesen sein muss; in diesem Moment fühlte man sich dem König wieder ein ganz kleines Stückchen näher. Auch den unweit gelegenen Platz der Einsiedelei zeigte uns Ivonne, allerdings ist dort kaum noch was zu erkennen; jedoch kann man an zahlreichen alten Bildern auf Grund des Hintergrundes erkennen, dass sie hier gestanden haben muss. Nach diesem wunderschönen Tag kehrten wir erschöpft aber glücklich erstmal in unsere Pensionen zurück, denn wir wussten ja, morgen geht es an den Aufstieg hinauf ins Wettersteingebirge.

Unterkunft in Klais
Unterkunft in Klais
Originalstandort der Hundinghütte
Originalstandort der Hundinghütte

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück gegen 6 Uhr trafen wir uns dann an meiner Pension, nervös und glücklich fühlte ich mich. Gegen 6:15 dann erreichten wir den Parkplatz in Elmau und nun ging sie los, unsere Wanderung in die Berge.
Schon zu Beginn des Aufstiegs waren wir fasziniert von der Schönheit der Natur, immer wieder musste ich stehen bleiben, um die Eindrücke, die sich mir boten, festzuhalten. Der Weg war anfangs auch sehr schön zu gehen, keine Steigung, zumindest kaum merkbar. Doch schon bald änderte sich dies und ich fragte mich selbst „Warum tust du das?“, „Was bringt es Dir?“. Jedoch schon im nächsten Moment hatte ich mir diese Frage selbst beantwortet: „Ich will es sehen..., das Häuschen des Königs mitten im Wettersteingebirge.“ Der Aufstieg zog sich und zog sich. Nach 1 ½ Stunden erreichten wir die Wettersteinalm, wo auch der König Rast machte, um den Wagen umspannen zu lassen, denn von hier aus ist es eine Unmöglichkeit mit der Kutsche weiter zu fahren; ab hier ist der König dann wohl mit einem Eselkarren weiter gefahren worden. Wobei ich mir persönlich dies als nicht sonderlich angenehm vorstellen kann, bei diesem extrem steinigen und krummen Weg. Eine kurze Rast hier musste auch für uns sein, denn trinken ist bei diesem Aufstieg das Wichtigste – jedem zu empfehlen, der den Aufstieg wagt, ordentlich zu trinken einpacken.

Wettersteinalm
Wettersteinalm
Raststation unweit der Wettersteinalm
Raststation unweit der Wettersteinalm

Von hier aus sollten es also noch einmal 1 ½ Stunden hinauf sein. Nun ja, voller Ehrgeiz ging es weiter. Nun über Stock und Stein hinein in den Wald, vorbei an monströsen Bergen immer höher und höher. Nach einiger Zeit nun der erste Blick auf das Schachenhaus..., voller Glück und nun endlich das erste Mal das Ziel vor Augen, wurde meine Energie noch einmal aufgefrischt; allerdings hielt dies nicht allzu lange an, als ich feststellen musste, dass der Schein trügt und das Ziel noch viel weiter weg ist als es aussah.

Blick auf Alpspitze und Hochblassen
Blick auf Alpspitze und Hochblassen
Blick zum weit entfernten Schachenhaus
Blick zum weit entfernten Schachenhaus

Doch wir kamen näher und näher und um so weiter wir hinauf kamen, um so schöner und grandioser zeigte sich die wunderschöne Natur. Doch nach einer weiteren halben Stunde, man glaubt es nicht, waren wir fast da, wir standen unmittelbar darunter. Das letzte Stück hinauf wurde noch einmal eine echte Zerreißprobe, doch dann hatten wir es geschafft..., ich konnte es nicht glauben, das Schachenhäuschen des Königs genau vor mir – bis auf dass es neu renoviert wurde, daher etwas aussieht, als wäre es gestern erst gebaut worden – war ich fasziniert: die Natur, die Berge, das Häuschen mitten drin..., man muss den König einfach verstehen, wenn man einmal da oben stand, wo das Gefühl der Freiheit eine ganz neue Bedeutung bekommt. Denn hier oben ist man wirklich frei, und die Berge hier zeigen einem wie klein und unbedeutend wir eigentlich sind, wenn man bedenkt, diese Giganten aus Stein haben sich über Jahrmillionen gebildet. Zuerst allerdings gönnten wir uns etwas Kaltes zu trinken in der Schachenwirtschaft unmittelbar neben des Königs „Schlößchen“. Es war ein tolles Gefühl endlich einmal hier angekommen zu sein!

Schachenhaus auf 1876 m Höhe
Schachenhaus auf 1876 m Höhe
Schachenhaus nach der Renovierung 2003
Schachenhaus nach der Renovierung 2003

Um 11 Uhr sollte die Führung sein, ich konnte es kaum abwarten, es endlich einmal von innen zu sehen.
Die Räume im unteren Teil des „Schlößchens“ waren sehr einfach eingerichtet, so wie man dies von gewöhnlichen Hütten kannte. Doch betrat man den türkischen Saal im oberen Stockwerk, so trat man durch die enge Wendeltreppe in eine andere Welt. Dieser Saal hatte nichts mehr vom Stil der einfachen Berghütte, sondern war umwerfend. Ich fühlte mich wie in einem Traum, in dem Traum eines Königs! In diesem Moment fiel das Licht der Sonne etwas durch die bunten Fenster und der Raum schimmerte all die bunten Farben wieder – ein Lichtspiel, das ich nicht so schnell wieder vergessen werde.
Fast unwirklich kam mir die Landschaft vor, als wir wieder in der frischen Bergluft standen.

Wettersteingebirge
Wettersteingebirge
Blick auf Ausläufer der Zugspitze
Blick auf Ausläufer der Zugspitze
Rückweg vom Aussichtspunkt zum Schachenhaus
Weg vom Aussichtspunkt zum Schachenhaus
Königshaus am Schachen
Königshaus am Schachen

Auf dem Rückweg fiel uns auf, dass einige wohl mit Steinen Namen und andere Dinge auf eine kleine Talwiese geschrieben hatten. Nun, uns kam die Idee, dass wir auch den Schriftzug „Ludwig II“ mit den Steinen zusammensetzen könnten; gesagt getan, auf auf an die Arbeit, mein Vater, Ivonne und ich sammelten die Steine zusammen und setzten Stein für Stein aneinander, bis am Ende tatsächlich gut leserlich der Schriftzug Ludwig II. dastand. Nun, nach dieser letzten Tat machten wir uns wieder an den Abstieg, lange noch schaute ich des Königs Haus in den Bergen nach, und schon in diesem Moment fasste ich den Entschluss, dass ich unbedingt wieder einmal hinauf muss. Unten angekommen schmerzten unsere Füße sehr von der langen Wanderung, aber trotz allem waren wir glücklich und zufrieden.

Schriftzug „Ludwig II.“ auf der Talwiese
Schriftzug „Ludwig II.“ auf der Talwiese
Blick zum kgl. Schachenhaus
Blick zum kgl. Schachenhaus

Kurzfristig entschlossen wir uns noch dazu nach Starnberg zu fahren, denn mein Vater war bisher niemals an der Votivkapelle gewesen. Die Fahrt nach Starnberg wurde lustig. Dort angekommen suchten wir erst mal ewig nach einem Parkplatz; da eine Hochzeit am See stattfand, waren fast alle belegt. Schon bald fanden wir doch einen und wollten zur Votivkapelle gehen; sogleich mussten wir allerdings wieder feststellen, dass wir an diesem Tage schon eine gewaltige Wanderung hinter uns hatten und unsere Beine schrecklich schmerzten! Nun, aber dem König zuliebe ertrugen wir auch noch dies.

Gedenkkreuz im Starnberg See
Gedenkkreuz im Starnberg See
Votivkapelle am Starnberger See (Ansichtskarte, 1904)
Votivkapelle am Starnberger See (AK, 1904)

Am Kreuz musste ich mich sehr ärgern, da trotz Verbot es manche nicht fertig bringen, sich am großen Starnberger See eine andere Stelle zum Baden zu suchen als ausgerechnet genau am Gedenkkreuz des Königs.
Verärgert machten wir uns auf den Rückweg zum Auto. Diesen wunderschönen Tag haben wir dann noch mit einem guten Essen in Starnberg ausklingen lassen.
Ich danke Ivonne und meinem Vater für diese zwei wundervollen Tage!!!!
Ich freue mich nun schon wieder auf nächstes Jahr!!!!!

Copyright@ 2003 by Alexandra Schedel, Sonthofen
 

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