Der Leser erfährt aus den Erinnerungen des im Jahre 1880 in den Dienst des Königs getretenen Kücheneleven
Theodor Hierneis von den Lieblingsspeisen Ludwigs II. – zu denen sowohl das Hechtenkraut als auch das
Veilchendessert gehörten –, der Vielfalt und Herkunft derselben sowie den realen und imaginären Gästen an des
Königs Tafel. Auf den Menükarten, die stets in französischer Sprache geschrieben wurden, stand manch ausländisches
Gericht wie Rentierfleisch aus dem Kurland, eigens aus Rom importierter Pfau, indische Vogelnester oder
Schildkrötenfleisch – Champagner indes war auf jeder Karte, die des Königs Bruder
Prinz Otto leidenschaftlich
sammelte, aufgeführt. Zu den erlesenen Gästen, zu deren Ehren Ludwig II. ein besonderes Festmahl ausrichten
ließ, gehörten beispielsweise die Zarin
Maria Alexandrowna, die auf der im Starnberger See gelegenen
Roseninsel
ihr „poetischstes Diner“ in des Königs Gesellschaft einnahm und Erzherzogin Gisela, für die, anlässlich ihrer
Vermählung mit Prinz Leopold von Bayern, 1873 im Festsaalbau der Münchner Residenz ein Festbankett gegeben wurde.
Den frisch vermählten, Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern und Infantin Maria de la Paz, wurde 1883 die besondere
Ehre zuteil, von Ludwig II. in den auf dem Dach der Residenz befindlichen
Wintergarten geladen zu werden, wo sie
in einem runden maurischen Pavillon ein intimes Abendessen erwartete.
Am kaiserlichen Hof hatte jedes Familienmitglied eine Separatküche, selbst die Kinder des
österreichischen Kaiserpaares. Theresia Teufel, Hofköchin der
Kaiserin Elisabeth und deren Lieblingstochter
Marie Valerie, die bis zu ihrem 69. Geburtstag im Dienste beider Damen stand, war eine der wenigen Frauen, die
bei Hofe eine derart wichtige Position einnahmen. Begab sich Elisabeth auf einen Spaziergang mit einer ihrer
Hofdamen, so musste stets ein silberner Becher mitgenommen werden, um bei einer eventuellen Begegnung mit einer
weidenden Kuh-, Schaf- oder Ziegenherde die Milch derselben trinken zu können. Ab 1893 wurde auf Bestreben der
Kaiserin Elisabeth im Schönbrunner Schlosspark eine Meierei eingerichtet, in der Kühe und Hühner gehalten wurden.
Gleichwohl die Kaiserin stets auf ihre schlanke Figur achtete, kehrte sie des öfteren in Zuckerbäckereien ein,
wobei kandierte Veilchen besonders beliebt waren – wie im Allgemeinen Veilchen von ihr bevorzugt wurden, ob als
Sorbet, Duftwasser oder Eis.
Weitere Kapitel dieser wunderbaren Publikation widmen sich u.a. – um hier nicht gänzlich
vorzugreifen – der Bildhauerin Elisabeth Ney, der kaiserlichen Seelenfreundin Katharina Schratt, dem Schloss
Gödöllö in Ungarn und der Begegnung der Kaiserstochter Marie Valerie mit Ludwig II. am Starnberger See.
Besonders eindrücklich sind die geschmackvoll, herrlich detaillierten und zugleich appetitanregenden
Aufnahmen der Speisen, die von der erfolgreichen Food- und Stillife-Fotografin Luzia Ellert aufgenommen wurden.
Fazit:
Die sehr zu empfehlende Publikation – eine klare Gliederung sorgt für die problemlose Zurechtfindung in
selbiger – gibt Aufschluss über die Essgewohnheiten Ludwigs II. und Elisabeths von Österreich und bietet einen
unmittelbaren Zugang zum Alltagsleben des Königs und der Kaiserin. Mit dem Mix aus Rezepten, die das Probieren
lohnen, anschaulichen Fotografien und umfangreichen Hintergrundinformationen und Anekdoten ist der Autorin wieder
ein sehr anschauliches Buch gelungen. Somit nicht nur für Historiker sondern auch alle Geschichtsinteressierte
und Liebhaber kulinarischer Köstlichkeiten äußerst interessant.
Aus dem Inhalt:
Ludwig und Elisabeth – Gleichklang der Seelen • Kaiserliche und
königliche Köche, Küchen und ein Tischlein-deck´-dich • Die Essgewohnheiten des Königs und der Kaiserin •
Bayerns schönste Küche in der Amalienburg • Kaiserliche und königliche Gäste in Bad Kissingen • Die
Schönheitsrezepte der Kaiserin • Der politische Gast Otto Fürst von Bismarck • Elisabeth Ney, eine
Künstlerin zu Gast bei König Ludwig II. von Bayern • Königliche Kinder zu Gast bei der Großmutter
Königin Therese • Hoftafel bei König Ludwig II. zu Ehren der österreichischen Kaisertochter • Gäste und
Feste auf der Roseninsel im Starnberger See • Kaiserin Elisabeth zu Gast in Cafes und Konditoreien • Zu
Gast bei der Schauspielerin Katharina Schratt • Schloss Gödöllö – das Gastgeschenk • Erzherzogin Marie
Valerie und Ludwig II. • Anhang