„Zu Gast bei
Kaiserin Elisabeth und König Ludwig II.“

(Buch-Neuerscheinung – Rezension)
von Ivonne Ebersbach

Zu Gast bei Kaiserin Elisabeth und König Ludwig II.
Bücher über König Ludwig II. und Kaiserin Elisabeth von Österreich gibt es wahrlich genügend, doch keines zuvor hat sich intensivst mit den kulinarischen Gepflogenheiten, Vorlieben und Essgewohnheiten am bayerischen und österreichischen Hof befasst und Rezepte von einstigen Speiseplänen der beiden seelenverwandten Wittelsbacher-Geborenen derart anschaulich präsentiert. Auf 240 Seiten bietet das Werk der bekannten Autorin Dr. Martha Schad und der Fotografin Luzia Ellert unter Verwendung von zeitgenössischen Abbildungen und Fotografien einen tiefen Einblick in die königliche und kaiserliche Hofküche und entreißt weniger bekannte und äußerst interessante Details der Vergessenheit.

Der Leser erfährt aus den Erinnerungen des im Jahre 1880 in den Dienst des Königs getretenen Kücheneleven Theodor Hierneis von den Lieblingsspeisen Ludwigs II. – zu denen sowohl das Hechtenkraut als auch das Veilchendessert gehörten –, der Vielfalt und Herkunft derselben sowie den realen und imaginären Gästen an des Königs Tafel. Auf den Menükarten, die stets in französischer Sprache geschrieben wurden, stand manch ausländisches Gericht wie Rentierfleisch aus dem Kurland, eigens aus Rom importierter Pfau, indische Vogelnester oder Schildkrötenfleisch – Champagner indes war auf jeder Karte, die des Königs Bruder Prinz Otto leidenschaftlich sammelte, aufgeführt. Zu den erlesenen Gästen, zu deren Ehren Ludwig II. ein besonderes Festmahl ausrichten ließ, gehörten beispielsweise die Zarin Maria Alexandrowna, die auf der im Starnberger See gelegenen Roseninsel ihr „poetischstes Diner“ in des Königs Gesellschaft einnahm und Erzherzogin Gisela, für die, anlässlich ihrer Vermählung mit Prinz Leopold von Bayern, 1873 im Festsaalbau der Münchner Residenz ein Festbankett gegeben wurde. Den frisch vermählten, Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern und Infantin Maria de la Paz, wurde 1883 die besondere Ehre zuteil, von Ludwig II. in den auf dem Dach der Residenz befindlichen Wintergarten geladen zu werden, wo sie in einem runden maurischen Pavillon ein intimes Abendessen erwartete.

Am kaiserlichen Hof hatte jedes Familienmitglied eine Separatküche, selbst die Kinder des österreichischen Kaiserpaares. Theresia Teufel, Hofköchin der Kaiserin Elisabeth und deren Lieblingstochter Marie Valerie, die bis zu ihrem 69. Geburtstag im Dienste beider Damen stand, war eine der wenigen Frauen, die bei Hofe eine derart wichtige Position einnahmen. Begab sich Elisabeth auf einen Spaziergang mit einer ihrer Hofdamen, so musste stets ein silberner Becher mitgenommen werden, um bei einer eventuellen Begegnung mit einer weidenden Kuh-, Schaf- oder Ziegenherde die Milch derselben trinken zu können. Ab 1893 wurde auf Bestreben der Kaiserin Elisabeth im Schönbrunner Schlosspark eine Meierei eingerichtet, in der Kühe und Hühner gehalten wurden. Gleichwohl die Kaiserin stets auf ihre schlanke Figur achtete, kehrte sie des öfteren in Zuckerbäckereien ein, wobei kandierte Veilchen besonders beliebt waren – wie im Allgemeinen Veilchen von ihr bevorzugt wurden, ob als Sorbet, Duftwasser oder Eis.

Weitere Kapitel dieser wunderbaren Publikation widmen sich u.a. – um hier nicht gänzlich vorzugreifen – der Bildhauerin Elisabeth Ney, der kaiserlichen Seelenfreundin Katharina Schratt, dem Schloss Gödöllö in Ungarn und der Begegnung der Kaiserstochter Marie Valerie mit Ludwig II. am Starnberger See. Besonders eindrücklich sind die geschmackvoll, herrlich detaillierten und zugleich appetitanregenden Aufnahmen der Speisen, die von der erfolgreichen Food- und Stillife-Fotografin Luzia Ellert aufgenommen wurden.

Fazit:
Die sehr zu empfehlende Publikation – eine klare Gliederung sorgt für die problemlose Zurechtfindung in selbiger – gibt Aufschluss über die Essgewohnheiten Ludwigs II. und Elisabeths von Österreich und bietet einen unmittelbaren Zugang zum Alltagsleben des Königs und der Kaiserin. Mit dem Mix aus Rezepten, die das Probieren lohnen, anschaulichen Fotografien und umfangreichen Hintergrundinformationen und Anekdoten ist der Autorin wieder ein sehr anschauliches Buch gelungen. Somit nicht nur für Historiker sondern auch alle Geschichtsinteressierte und Liebhaber kulinarischer Köstlichkeiten äußerst interessant.

Aus dem Inhalt:
Ludwig und Elisabeth – Gleichklang der Seelen • Kaiserliche und königliche Köche, Küchen und ein Tischlein-deck´-dich • Die Essgewohnheiten des Königs und der Kaiserin • Bayerns schönste Küche in der Amalienburg • Kaiserliche und königliche Gäste in Bad Kissingen • Die Schönheitsrezepte der Kaiserin • Der politische Gast Otto Fürst von Bismarck • Elisabeth Ney, eine Künstlerin zu Gast bei König Ludwig II. von Bayern • Königliche Kinder zu Gast bei der Großmutter Königin Therese • Hoftafel bei König Ludwig II. zu Ehren der österreichischen Kaisertochter • Gäste und Feste auf der Roseninsel im Starnberger See • Kaiserin Elisabeth zu Gast in Cafes und Konditoreien • Zu Gast bei der Schauspielerin Katharina Schratt • Schloss Gödöllö – das Gastgeschenk • Erzherzogin Marie Valerie und Ludwig II. • Anhang


Autoren:
Verlag:
Preis:
ISBN:
Dr. Martha Schad und Luzia Ellert (Fotos)
Collection Rolf Heyne GmbH & Co. KG, München
39,90 Euro (ab 2004)
3-89910-219-3

Copyright@ Dezember 2004 by Ivonne Ebersbach, Starnberg
 

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