„Romanzen auf der Roseninsel“
(Buch-Neuerscheinung 2005 – Rezension)
von Ivonne Ebersbach

Romanzen auf der Roseninsel
Der Inhalt dieses 80-seitigen, leicht zu lesenden, Buches aus der Feder der bekannten Historikerin Dr. Martha Schad beinhaltet eine Reihe von geschichtlichen Erzählungen über die einzige sich im Starnberger See befindliche Insel Wörth, die ihren heutigen Namen „Roseninsel“ in erster Linie dem bayerischen König Maximilian II. verdankt, der auf dieser – nach dem Erwerb im Jahre 1850 – durch Peter Joseph Lenné einen Rosengarten anlegen ließ.

Unterteilt in sechs sehr prägnant und als geschlossene Themen abgehandelte Kapitel erfährt der Leser, dem es sicherlich schwer fallen sollte, das Büchlein aus der Hand zu legen, von der Geschichte der Insel und den hochrangigen Besuchern, welche die Schönheit dieses einzigartigen Kleinods im 19. Jahrhundert erschauen durften; unter ihnen Kaiserin Elisabeth, deren herzogliche Schwester Sophie Charlotte und der bayerische König Ludwig II., der sich daselbst Gäste wie die Zarin Maria Alexandrowna und die Hofschauspielerin Lilla von Bulyovszky einlud. Für erstere, die Zarin, welche er sehr verehrte, ließ Ludwig II. beispielsweise am 27. September 1868 ein Diner mit einer Serenade geben, das Maria Alexandrowna später als das „poetischste ihres Lebens“ bezeichnete. Ein Brillantfeuerwerk auf dem in das Dunkel der Nacht getauchten Würmsee mit dem monumentalen Namenszug der Kaiserin, begrüßt von den Klängen der russischen Kaiserhymne, rundeten diesen Abend auf das Vortrefflichste ab.

In einem anderen Kapitel wird die Verbindung Ludwigs II., bei welchem das Theater stets eine große Rolle spielte, zur elf Jahre älteren ungarischen Schauspielerin Lilla von Bulyovszky beleuchtet, die mal mehr mal weniger in der kgl. Gunst stand. Sie hatte als eine der wenigen das Glück von der Allerhöchsten Person auf die Roseninsel eingeladen zu werden, wobei jedoch der Besuch nicht ihren zu hoch angesetzten Vorstellungen entsprach.

Zahlreiche grandiose und zum Teil sehr detaillierte Fotografien, die der Rosenheimer Fotograf Klaus G. Förg von der über 80 verschiedene Sorten zählenden Rosenbepflanzung und des Casinos mit Bravour anfertigte, veranschaulichen sehr eindrucksvoll das unvergleichliche Flair dieses Rosenrefugiums.

Die Autorin, die bekanntlich mit dem geschichtlichen Leben des bayerischen Monarchen sehr vertraut ist – was ihre zahlreich erschienenen Bücher belegen –, beschreibt desweiteren die kurzweilige Beziehung und Verlobungszeit Ludwigs II. mit seiner Großcousine, Sophie Charlotte in Bayern. Gemeinsam weilten beide häufig auf der sowohl von Schloss Berg, dem Wohnsitz des Königs, als auch von Schloss Possenhofen, dem Wohnorte der Herzogin, nicht weit entfernt liegenden Roseninsel, auf der sich das heute noch erhaltene und unlängst restaurierte Casino, eine pompejanisch anmutende „Villa“, befand.

Die wohl häufigsten Treffen jedoch fanden zwischen der österreichischen Kaiserin Elisabeth und dem bayerischen König statt. Elisabeth kannte die Roseninsel von Kindesbeinen an, liebte sie doch das Schwimmen im Würmsee. Sehr eindrücklich wird hier die Verbindung der beiden Sprößlinge aus dem Hause Wittelsbach beschrieben – deren Gemeinsamkeiten, Gleichstimmtheit und Aufenthalte auf der Insel im „lieblichsten See“. Ludwig II. selbst weilte sehr häufig in seinem Rosenrefugium, von welchem ein bezaubernder Duft zum Ufer herübergetragen wurde. So berichtete Gottfried von Böhm beispielsweise, dass ein Bekannter den König auf dem Pferde stehend die Roseninsel umreitend gesehen habe. Mit diesen und derlei anderen Erzählungen kann dieses wahrlich lesenswerte Büchlein aufwarten.

Fazit:
Das übersichtlich aufgebaute und umfassende Buch aus der Feder von Dr. Martha Schad gibt einen sehr bildlichen Eindruck über die Geschichte und die Geschichten auf der Roseninsel und richtet sich somit an Leser, die nicht nur die Schönheit der Insel bestaunen, sondern auch über die einstigen Vorgänge auf selbiger unterrichtet werden wollen. Die Autorin versteht es blendend, beim Lesen das Interesse für das Kleinod im Starnberger See als auch für die Erlebnisse der hochrangigen Gäste zu wecken, ohne jedoch die geschichtlichen Daten außer Acht zu lassen. Der Leser findet in den angenehm zu lesenden Kapiteln eine Fülle von Informationen, gepaart mit wundervollen und eindrücklichen Fotografien der blühenden Rosenbepflanzung, Außen- und Innenansichten des Casinos – die dem großartigen Fotografen Klaus G. Förg zu verdanken sind – sowie zeitgenössischen Darstellungen der einstigen Gäste. Derart gut vorinformiert, sollte einem Besuch des Rosenidylls nun nichts mehr im Wege stehen....


Autoren:
Verlag:
Preis:
ISBN:
Dr. Martha Schad und Klaus G. Förg (Fotos)
Rosenheimer Verlagshaus GmbH & Co. KG
9,90 Euro (2005)
3-475-53651-X

Copyright@ Mai 2005 by Ivonne Ebersbach, Starnberg
 

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