Der in München lebende Autor Jean Louis Schlim, der dem Interessierten bereits durch mehrere Publikationen wie beispielsweise
„Ludwig II. – Traum und Technik“ oder „Ludwigs Traum vom Fliegen“ die Technik-Begeisterung des Monarchen
eindrücklich näher gebracht hat, lässt uns nun anhand der zahlreich abgebildeten Memorabilien erahnen,
welche Fülle an derartigen Schätzen seine weithin bekannte Sammlung beinhaltet. Originale Photographien des
Königs und der ihn umgebenden, zumeist aus adeliger Herkunft stammenden Personen, rare Holzstiche der
unterschiedlichsten Künstler, welche die Lebensweise Ludwigs II. darstellen, aber auch historische Postkarten,
vortreffliche Gemälde, Münzen, Erinnerungsmedaillen und Zeitungsartikel – all dies findet der Leser und Betrachter
dieses Albums vor. Sehr eindrückliche Erinnerungsstücke sind die Hinterlassenschaften des Königs selbst, wie das
Lieblingsspielzeug des jungen Prinzen: Holzschwan und Baukasten, der ständige Begleiter „Das betende Jesuskind“,
ein Geschenk des Prinzen Adalbert, die letzten Cigaretten aus dem Etui des Königs oder die Monogramm-Petschaft mit
dem einfachen „L“.
Unterteilt in gut gewählte Themen – angefangen von der ihn prägenden Kindheit im Schwanengau zum bis heute
rätselhaften Tod Ludwigs II. – bietet dieser Band einen sachkundigen Überblick, der durch die 250 Abbildungen
eine besondere Lebendigkeit erhält. Hervorzuheben ist die Beschreibung der bisher
kaum erwähnten Verwandschaftsbeziehung Ludwigs II. zu seinem Onkel, Prinz Adalbert, Sohn König Ludwigs I.
Erhellend sind auch die Ausführungen zur Gralsthematik und die Erklärung des Wortes Schwan, das nicht bloß
als Lieblingstier Ludwigs II. verstanden werden darf, sondern vielmehr einen Menschen beschreibt, „der
sich vom Wesen eines großen Toten durchdringen ließ und ihm seine irdische Hülle“ zur Tatverrichtung auf
Erden zur Verfügung stellte. So lässt sich möglicherweise seine Begeisterung für die Sagenwelt, insbesondere
die des Lohengrin und seines Vaters Parzival, beide Handlungen durch die gleichnamigen Opern des Komponisten Richard Wagner hervorragend inszeniert, noch
besser verstehen; ebenso das Todesdatum, ein Pfingstsonntag, das Hochfest des Grals.
Die heimlichen Residenzen des Monarchen, wie die einfach ausgestatteten Berghütten im Ammergebirge, und die
vielfach beschriebenen vielbesuchten Schlösser werden nur kurz thematisiert, dagegen finden aber
die weniger diskutierten Reisen des Königs nach Frankreich, Thüringen, in die Schweiz und nach Franken sowie
seine reich ausgestatteten Domizile in der Münchner Residenz, der Landshuter Burg Trausnitz, im Gasthof am
Fernstein und in Schloss Berg anschauliche und ausreichende Beschreibung, die mit ansprechendem Bildmaterial
eindrücklich illustriert werden. Die Todesumstände vom 13. Juni 1886 jedoch können wohl auch durch
dieses Buch mangels Beweisen nicht gänzlich geklärt werden, wenngleich Prinz Joseph Clemens mit seiner Wahrheit
(?) hier scheinbar Licht ins Dunkel zu bringen versucht. Unter all den höchst interessanten und aufschlussreichen
Abbildungen wäre die Erstveröffentlichung einer bis dato nie gezeigten bzw. raren Photographie des Königs, derer
es gewiß einige im Archiv Schlim gibt, wünschenswert gewesen.
Fazit:
Alle wichtigen Lebensstationen Ludwigs II. werden in dieser qualitativ hervorragend aufbereiteten Publikation
gleichermaßen in Wort und Bild dargestellt, informativ und zum Teil detailliert erläutert und durch eine Fülle
von Abbildungen eindrucksvoll illustriert. Durch die selten bis nie gezeigten Memorabilien aus der Sammlung von
Autor Jean Louis Schlim vermittelt dieses reich bebilderte Buch ein wahrlich anschauliches und lebendiges Bild
König Ludwigs II. und ermöglicht dem Leser und historisch Interessierten eine imaginäre Reise ins 19. Jahrhundert.
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