„König Ludwig II. –
Sein Leben in Bildern und Memorabilien“

(Buch-Neuerscheinung 2005 – Rezension)
von Ivonne Ebersbach

König Ludwig II. – Sein Leben in Bildern und Memorabilien
König Ludwig II. ist ohne Zweifel einer der wenigen deutschen Monarchen, die das allgemeine Interesse auch über Jahrzehnte hinweg wecken und reichlich Stoff für stets neue Spekulationen bieten. Jährlich erscheint unter den bisher zahlreich publizierten Büchern über den Erbauer der Königsschlösser mindestens eine neue Publikation mit zum Teil kaum beachteten und unbekannten Details aus seinem Leben. Seltener hingegen sind Alben wie vorliegendes, die anhand wenig bis nie gezeigter Bilder das faszinierende Leben des „bayerischen Märchenkönigs“ erzählen.
 
Der in München lebende Autor Jean Louis Schlim, der dem Interessierten bereits durch mehrere Publikationen wie beispielsweise „Ludwig II. – Traum und Technik“ oder „Ludwigs Traum vom Fliegen“ die Technik-Begeisterung des Monarchen eindrücklich näher gebracht hat, lässt uns nun anhand der zahlreich abgebildeten Memorabilien erahnen, welche Fülle an derartigen Schätzen seine weithin bekannte Sammlung beinhaltet. Originale Photographien des Königs und der ihn umgebenden, zumeist aus adeliger Herkunft stammenden Personen, rare Holzstiche der unterschiedlichsten Künstler, welche die Lebensweise Ludwigs II. darstellen, aber auch historische Postkarten, vortreffliche Gemälde, Münzen, Erinnerungsmedaillen und Zeitungsartikel – all dies findet der Leser und Betrachter dieses Albums vor. Sehr eindrückliche Erinnerungsstücke sind die Hinterlassenschaften des Königs selbst, wie das Lieblingsspielzeug des jungen Prinzen: Holzschwan und Baukasten, der ständige Begleiter „Das betende Jesuskind“, ein Geschenk des Prinzen Adalbert, die letzten Cigaretten aus dem Etui des Königs oder die Monogramm-Petschaft mit dem einfachen „L“.

Unterteilt in gut gewählte Themen – angefangen von der ihn prägenden Kindheit im Schwanengau zum bis heute rätselhaften Tod Ludwigs II. – bietet dieser Band einen sachkundigen Überblick, der durch die 250 Abbildungen eine besondere Lebendigkeit erhält. Hervorzuheben ist die Beschreibung der bisher kaum erwähnten Verwandschaftsbeziehung Ludwigs II. zu seinem Onkel, Prinz Adalbert, Sohn König Ludwigs I. Erhellend sind auch die Ausführungen zur Gralsthematik und die Erklärung des Wortes Schwan, das nicht bloß als Lieblingstier Ludwigs II. verstanden werden darf, sondern vielmehr einen Menschen beschreibt, „der sich vom Wesen eines großen Toten durchdringen ließ und ihm seine irdische Hülle“ zur Tatverrichtung auf Erden zur Verfügung stellte. So lässt sich möglicherweise seine Begeisterung für die Sagenwelt, insbesondere die des Lohengrin und seines Vaters Parzival, beide Handlungen durch die gleichnamigen Opern des Komponisten Richard Wagner hervorragend inszeniert, noch besser verstehen; ebenso das Todesdatum, ein Pfingstsonntag, das Hochfest des Grals.

Die heimlichen Residenzen des Monarchen, wie die einfach ausgestatteten Berghütten im Ammergebirge, und die vielfach beschriebenen vielbesuchten Schlösser werden nur kurz thematisiert, dagegen finden aber die weniger diskutierten Reisen des Königs nach Frankreich, Thüringen, in die Schweiz und nach Franken sowie seine reich ausgestatteten Domizile in der Münchner Residenz, der Landshuter Burg Trausnitz, im Gasthof am Fernstein und in Schloss Berg anschauliche und ausreichende Beschreibung, die mit ansprechendem Bildmaterial eindrücklich illustriert werden. Die Todesumstände vom 13. Juni 1886 jedoch können wohl auch durch dieses Buch mangels Beweisen nicht gänzlich geklärt werden, wenngleich Prinz Joseph Clemens mit seiner Wahrheit (?) hier scheinbar Licht ins Dunkel zu bringen versucht. Unter all den höchst interessanten und aufschlussreichen Abbildungen wäre die Erstveröffentlichung einer bis dato nie gezeigten bzw. raren Photographie des Königs, derer es gewiß einige im Archiv Schlim gibt, wünschenswert gewesen.

Fazit:
Alle wichtigen Lebensstationen Ludwigs II. werden in dieser qualitativ hervorragend aufbereiteten Publikation gleichermaßen in Wort und Bild dargestellt, informativ und zum Teil detailliert erläutert und durch eine Fülle von Abbildungen eindrucksvoll illustriert. Durch die selten bis nie gezeigten Memorabilien aus der Sammlung von Autor Jean Louis Schlim vermittelt dieses reich bebilderte Buch ein wahrlich anschauliches und lebendiges Bild König Ludwigs II. und ermöglicht dem Leser und historisch Interessierten eine imaginäre Reise ins 19. Jahrhundert.

Zum Autor:

Jean Louis Schlim
Jean Louis Schlim wurde 1952 in Luxemburg geboren und lebt seit 1977 in München, wo er vor allem mit Vorträgen, Ausstellungen und Publikationen zur Technikgeschichte des 19. Jahrhunderts bekannt wurde. Ganz besonders befasst er sich mit der Technik-Begeisterung des bayerischen Königs Ludwig II., zu der er gleich mehrere Publikationen veröffentlicht hat, u.a. 1986 "Ludwig II. und die Technik", 1995 "Ludwigs Traum vom Fliegen" und 2002 "Ludwig II. - Traum und Technik". Mit seinen Büchern zur Geschichte der Dynastie des Hauses Luxemburg hat sich der Autor auch international einen Namen gemacht.

Autor:
Verlag:
Preis:
ISBN:
Inhalt:
Jean Louis Schlim
nymphenburger, münchen
19,90 Euro (2005)
3-485-01066-9
Ludwigs Geburt und Kindheit • Die Industrie-Ausstellung in München • König Luwigs Thronbesteigung • Eine Idylle auf der Roseninsel • Fürstentreffen in Bad Kissingen • Reise nach Franken • Ein Denkmal für König Ludwig XIV. • Burg Trausnitz etc.

Copyright@ Oktober 2005 by Ivonne Ebersbach, Starnberg
 

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