„Die  goldenen  Träume  des  Narziss“
Lesung mit Buchautor Dr. Dirk Heißerer

Am 27. November 2003 fand um 19:30 Uhr in der Bücherjolle in Starnberg eine Lesung des Autors Dr. Dirk Heißerer statt, der seine Monografie zu König Ludwig II. vorstellte. Einer ganzen Reihe von zahlreich erschienenen und erwartungsvollen Zuhörern schien der Autor kein Unbekannter zu sein und unter den Gästen fand sich so manche bekannte Person aus Starnberg, wie beispielsweise Landrat Heinrich Frey und Ludwig-Freund und Buchhändler Paul Heinemann nebst Gemahlin, die allesamt auf die Ausführungen des Autors über das tragische Leben des Mondkönigs, wie Ludwig II. von Apollinaire genannt wurde, warteten. Nach einer kurzen Einführung durch den Geschäftsführer der Buchhandlung, Herrn Schultheis, begann Dr. Heißerer seine Lesung, die er mit dem Titel „Die goldenen Träume des Narziss“ überschrieb.

Dr. Dirk Heißerer
Dr. Dirk Heißerer
Lesung in der Bücherjolle in Starnberg
Lesung in der Bücherjolle in Starnberg

Mit viel Persönlichkeit und nicht ohne den Blickkontakt zum Publikum zu verlieren, trug er einige Stellen seines neuesten Buches mit eigenen Worten vor und brachte die ein oder andere humorvolle Bemerkung ein, die für eine gutgelaunte Atmosphäre sorgte. Dr. Dirk Heißerer erklärte dem interessierten Publikum u.a., dass der Bau des Wagner-Theaters auf den Isarhöhen in München – das zwischen Friedensengel und Maximilianeum hätte entstehen sollen – nicht an der Ablehnung der Münchner scheiterte, sondern an der Zustimmung des Tonkomponisten selbst. Dieser sah zur damaligen Zeit (1865) noch keine dringende Notwendigkeit, ein allein für seine Werke bestimmtes Theater errichten zu lassen. In den Unterlagen der verschiedensten Archive fand der Autor, der sich nicht auf bloße Vermutungen und Spekulationen manch eines Schreiberlings verlassen, sondern widerlegbare Quellen zur Erstellung seines Buches nutzen wollte, manch unveröffentlichtes Detail über Bayerns „Märchenkönig“. So hatte der Monarch eine besondere Vorliebe für Emil Brachvogels Trauerspiel „Narziß“ und ließ sich dieses insgesamt zwölfmal aufführen, wobei die Aufführungen immer am 9. Mai, dem Todestag Ludwigs XV. stattfanden (Narciss Rameau war der einstige Geliebte der Jeanne Antoinette de Poisson, besser bekannt als Madame de Pompadour, Maitresse Ludwig XV.). Dr. Heißerer klärte zudem, dass die Bezeichnung „Märchenkönig“ nicht etwa von Ludwig II. selbst stamme, sondern von seiner Seelenverwandten Kaiserin Elisabeth von Österreich – kurz „Sisi“ –, die ihm diesen Beinamen erst nach seinem Tode in einem ihrer Gedichte gab. Ebenso rührt der viel zitierte Ausspruch des Königs „Ein ewig Rätsel bleiben will ich mir und anderen", der in dem Brief vom 25. April 1876 an die Hofschauspielerin Marie Dahn-Hausmann zu lesen ist, nicht von Seiner Majestät daselbst, sondern ist dem Stück „Die Braut von Messina“ von Friedrich Schiller entnommen. Mit Vorurteilen und Spekulationen über das Leben des Königs räumte Dr. Heißerer desweiteren auf und übte an dem ein oder anderen Autor Kritik, der mit obskuren Behauptungen, Ludwig II. sei nicht der Sohn König Max II., sondern eines italienischen Kammerdieners namens Joseph Tambosi, gewesen, das Bild des Königs beschmutze.

Dr. Dirk Heißerer bei der Signierung
Dr. Dirk Heißerer bei der Signierung
Der Autor signiert sein Buch
Der Autor signiert sein Buch "Ludwig II."

Im Anschluss an die gelungene Lesung stellte sich der Autor den Fragen der Zuhörer, die er bereitwillig beantwortete, jedoch abermals kritisierte, dass das hauptsächliche Interesse der Bevölkerung nur mehr den Todesumständen vom 13. Juni 1886 gelte und nicht dem eigentlichen Leben und Wirken des Monarchen. Die Gelegenheit, sich das 160 Seiten umfassende Buch „Ludwig II.“ aus der rowohlt monographie sogleich beim Autor signieren zu lassen, ließen sich die Wenigsten entgehen. Bei angeregten Gesprächen unter den Gästen und mit dem Autor fand der rundherum gelungene und interessante Abend einen passenden Ausklang.

Signierung des Buches im Anschluss an die Lesung
Signierung des Buches im Anschluss
angeregte Gespräche unter den Gästen
angeregte Gespräche unter den Gästen

Zum Autor:
Dr. Dirk Heißerer, geb. 1957, studierte Germanistik, Philosophie, Kunstgeschichte und Völkerkunde in Bonn und München. Er ist 1. Vorsitzender des Thomas-Mann-Förderkreises München e.V., Lehrbeauftragter an der Universität in München und leitet die literarischen Spaziergänge und Exkursionen zwischen Schwabing und Gardasee (www.lit-spaz.de).

Weitere Publikationen des Autors (Auswahl):
Ludwig II. Rowohlt-Monographie (160 S., € 8.50), ISBN 3-499-50647-5
Wellen, Wind und Dorfbanditen. Literarische Erkundungen am Starnberger See, München, Eugen Diederichs Verlag, 1995. 4. Aufl. 2003. Leinen, 328 S. mit 25 s/w Abb., ISBN: 3-424-01242-4

Herausgegeben von Dirk Heißerer:
Kadidja Wedekind: König Ludwig und sein Hexenmeister. Ein Tatsachenroman Herausgegeben und mit einem Nachwort von Dirk Heißerer. München, Peter Kirchheim Verlag, 1995. Geb., 236 S., ISBN: 3-87410-070-7
Maximilian Schmidt: Die Fischerrosl von St. Heinrich, Ein Lebensbild vom Starnberger See um 1840. München, via verbis bavarica, 2000.,
ISBN:3-935115-11-3
Thomas Manns "Villino" am Starnberger See, München. P. Kirchheim Verlag, 2001., ISBN: 3-87410-089-8


Copyright@ November 2003 by Ivonne Ebersbach, Starnberg
 

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